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MPU – Hilfe, ich muss zum „Idiotentest“

Es kann schneller passieren als gedacht: Ein Glas Sekt mehr auf der Abschlussfeier und schon können Sie als disqualifiziert für den Straßenverkehr gelten. Was körperliche und geistige Einschränkungen von Autofahrern angeht, ist mit dem Gesetzgeber nicht zu spaßen – die MPU ist eine der Konsequenzen für verkehrsauffällige Kandidaten. Sie sind betroffen? Dann lesen Sie jetzt alles, was Sie über die MPU wissen sollten!

Die wichtigsten Infos auf einen Blick:

  1. Eine MPU ist für Autofahrer vorgesehen, die verkehrsauffällig geworden sind (z. B. wegen Drogenkonsum) und für Menschen, die körperlich oder geistig beeinträchtigt sind.
  2. Die MPU besteht aus vier Teilen: Einer schriftlichen Befragung, einem Leistungstest sowie einer medizinischen und psychologischen Untersuchung.
  3. Die gesamte Untersuchung dauert etwa 2,5 Stunden. Die Gebühren betragen, je nach Untersuchungsgrund und Begutachtungsstelle, etwa 450 Euro.

Alkoholeinfluss und Co. – wer muss wann zur MPU?

Egal, ob Sehstörung oder Drogen im Blut – was Beeinträchtigungen von Autofahrern betrifft, kennt der Gesetzgeber keine Gnade. Das hat gute Gründe: Alles, was den Fahrer in irgendeiner Weise geistig oder körperlich einschränkt, kann im Straßenverkehr für ihn und andere Verkehrsteilnehmer lebensgefährlich sein.

Die Teilnehmer an der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung, kurz MPU, lassen sich im Allgemeinen in zwei Personengruppen einteilen: Auf der einen Seite Autofahrer, die durch zu viele Punkte in Flensburg oder aufgrund von Drogen oder Medikamenten im Straßenverkehr auffällig geworden sind – auf der anderen Seite angehende Autofahrer mit bestimmten körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, für die eine MPU von vornherein obligatorisch ist.

Verkehrsauffällig aufgrund von Drogen oder Medikamenten
  • Der Einfluss von Cannabis, LSD, Heroin, Alkohol, Kokain und allen anderen Drogen (außer Koffein und Nikotin) während der Fahrt ist nachweisbar.
  • Einige Medikamente schränken die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit ein (u. a. Antidepressiva, Schlafmittel, Hustenmittel, Grippemittel) – andere wirken in Kombination mit Koffein einschränkend.
Verkehrsauffällig ohne Drogeneinfluss
  • Ab 8 Punkten in Flensburg droht der Führerscheinentzug – für die Widererlangung ist meist ein positives MPU-Gutachten erforderlich.
Körperliche Beeinträchtigungen
  • Als problematisch im Straßenverkehr gelten u. a. Diabetes, Querschnittslähmung, Epilepsie, fehlende Gliedmaßen, fehlendes oder eingeschränktes Sehvermögen.
Geistige Beeinträchtigungen
  • Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale können ausschlaggebend für die Fahrerlaubnis sein – wichtig ist z. B. die Reaktionsfähigkeit, emotionale Stabilität, Selbstkontrolle und das Aggressionspotenzial.

 

Sonderfall Alkohol:In der Regel wird Alkoholeinfluss bei einer Kontrolle bis zu einer Obergrenze von 0,5 Promille toleriert – sofern kein Unfall verursacht wird. Bei Werten darüber droht ein Bußgeld von mindestens 500 Euro, 2 Punkte und ein Monat Fahrverbot. Ab 1,1 Promille wird der Führerschein entzogen und ab 1,6 Promille muss außerdem eine MPU durchgeführt werden. Wenn die Führerscheinstelle ein Alkoholproblem beim Fahrer vermutet, kann auch schon bei niedrigeren Werten ein MPU-Gutachten gefordert werden.

Auch bei nachweisbar einmaligem Cannabis-Konsum ist eine MPU nicht immer erforderlich. Bei allen anderen Drogen außer Koffein und Nikotin gibt es dagegen null Toleranz – in dem Fall ist die MPU erforderlich.

Die Stunde der Wahrheit – was kommt auf mich zu?

Wenn Drogenkonsum der Grund für Ihre Untersuchung ist, werden Sie unter Umständen dazu aufgefordert, einen Abstinenznachweis zur MPU mitzubringen. Dabei handelt es sich um eine Haar- oder Urinanalyse, die Sie im Vorfeld durchführen lassen müssen, um Ihre Abstinenz über einen bestimmten Zeitraum nachzuweisen.

Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung setzt sich aus vier Teilbereichen zusammen, die alle an einem Tag stattfinden:

  • Schriftliche Befragung: Der Tag an der Begutachtungsstelle beginnt für Sie mit der Anmeldung und mehreren Fragebögen. Hier beantworten Sie schriftlich Fragen zu Ihrer Vorgeschichte – Ihrem Lebenslauf, möglichen Erkrankungen und Ihrem Untersuchungsgrund.
  • Medizinische Untersuchung: Im zweiten Schritt führen Sie ein Gespräch mit einem Mediziner. Hier werden die Gründe für Ihre Verkehrsauffälligkeit näher beleuchtet. Außerdem findet, je nach Vorgeschichte, eine ärztliche Untersuchung statt – bei Alkohol am Steuer werden beispielsweise Ihre Leberwerte überprüft. An diesem Punkt werden Sie auch um den eventuell geforderten Abstinenznachweis gebeten.

Beratungsgespräch

  • Leistungstest: Dieser Prüfungsabschnitt widmet sich Ihrem Konzentrationsvermögen, Ihrer Aufmerksamkeitsleistung und Ihrer Reaktionsfähigkeit. Über den standardisierten MPU-Reaktionstest am Computer müssen Sie unter Aufsicht beweisen, dass Sie physisch in der Lage sind, ein Fahrzeug zu bedienen.
  • Psychologische Untersuchung:Zu guter Letzt sitzen Sie für etwa eine Stunde einem psychologischen Gutachter gegenüber. Dieser stellt Ihnen im ersten Teil allgemeine Fragen zu Ihrer Person und Ihrem Lebenslauf. Im zweiten Teil wird es konkreter: Hier wird Ihr persönlicher Blick auf Ihre Verkehrsauffälligkeit überprüft – entscheidend ist, dass Sie sich über Ihr Fehlverhalten bewusst sind und Konsequenzen daraus gezogen haben.
Anmeldung beim BfF 10 Minuten
Ausfüllen der Fragebögen 30 Minuten
Medizinische Untersuchung 30 Minuten
Leistungstest 20 Minuten
Psychologische Untersuchung 60 Minuten
Gesamtdauer 150 Minuten

Wichtige Fragen und Antworten rund um die MPU

→ Wie viel kostet die MPU?
Das Gutachten allein kostet durchschnittlich 450 Euro – abhängig vom Untersuchungsgrund. Nicht enthalten sind darin die Kosten für den Vorbereitungskurs und den Abstinenznachweis. Bis vor kurzem galten noch einheitliche Gebühren für ganz Deutschland. Seit August 2018 können die Gebühren von den Begutachtungsstellen selbst festgelegt werden. Die Gebühren hängen also von der Begutachtungsstelle und dem Untersuchungsgrund ab.

→ Wie kann ich mich auf die MPU vorbereiten?
Von Experten wird dringend empfohlen, vor der MPU an einem kostenpflichtigen Vorbereitungskurs teilzunehmen. Dabei wird zwischen Gruppenberatung und Einzelberatung mit einem Verkehrspsychologen unterschieden. Vorteil an der Einzelvariante: Hier können Sie Ihren individuellen Fall besprechen. Allerdings fallen hier auch die Kosten deutlich höher aus – die empfohlenen 10 Stunden würden sich auf etwa 1000 Euro belaufen.Eine Gruppenberatung aus 15 Sitzungen kostet etwa 500 bis 600 Euro. In diesem Fall sollten Sie einen Kurs wählen, der auf Ihren Untersuchungsgrund zugeschnitten ist – sprich: Alkohol-, Drogen- oder Punktedelikt. Bei der Kurswahl gilt es außerdem zu beachten, dass längst nicht alle Anbieter seriös sind. Der Bundesverband Niedergelassener Verkehrspsychologen (BNV) bietet Ihnen online eine Liste mit seriösen Ansprechpartnern: www.bnv.de.

→ Wann bekomme ich das Ergebnis?
Nach zwei Wochen bekommen Sie das Ergebnis Ihrer Untersuchung per Post zugeschickt. Ihre Fahrerlaubnis erhalten Sie nur dann zurück, wenn das Gutachten positiv ausfällt.

→ Was, wenn mein Gutachten negativ ausfällt?
Bei einem negativen Gutachten müssen Sie die MPU wiederholen. In manchen Fällen wird Ihnen stattdessen zu einer verkehrspsychologischen Nachschulung geraten – nach Abschluss dieser Nachschulung bekommen Sie Ihren Führerschein zurück.

Fotocredits: shironosov, GregorBister / iStockphoto