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MB Sprinter 319 CDI Fahrbericht | Review | Test

Sprinter: Mittlerweile ein Synonym für jeglichen Transporter. In etwa so, wie die Golf-Klasse, die zum Sinnbild für kompakte PKW geworden ist. Hier und heute wollen wir uns aber nicht mit irgendeinem Vertreter der Sprinter-Zunft beschäftigen, sondern mit dem Mercedes-Benz Sprinter 319 CDI – dem Namensgeber. Wie dieses Groß-Kaliber in den Drive-Check passt, obwohl es eher ein Nutzfahrzeug ist? Ganz einfach: Großfamilien, Hobby-Spediteure und Liebhaber des Van-Life sind ein stetig wachsendes Publikum und sollen hier auf ihre Kosten kommen. Drive Check!

Mercedes-Benz Sprinter 319 CDI Fahrbericht

Mercedes-Benz Sprinter 319 CDI Fahrbericht

Mercedes-Benz Sprinter Design Check

Fangen wir ganz pragmatisch mit den Abmessungen an: Den Mercedes-Benz Sprinter gibt es in drei Fahrzeuglängen, mit zwei Dachhöhen und mit bis zu drei Sitzreihen. Der im langwe… – sagen wir besser – klassischen Iridiumsilber angetretene Full-Size-Van ist in der Standard-Länge 5,93 m „kurz“, kann als Langversion aber mächtige 6,97 m annehmen. Die Höhe liegt maximal – wie beim Testexemplar – bei 2,66 m, während die Breite von 2,43 m ihn in jedem Fall auf die rechte Spur in Baustellen verbannt. Nun, ein ausgewachsener Sprinter ist eben kein Schmalhans.

Und das sieht man auch – besonders beim Blick auf die Front. Mit den optionalen LED-High-Performance-Scheinwerfern steht der Stuttgarter selbstbewusst da. Serienmäßig gibt es hingegen nur Halogen-Scheinwerfer. Gleiches gilt für die Kunststoff-Frontschürze mit Tritten zum Draufsteigen und Scheibe putzen oder, falls man mal eines der tiefer gelegenen Nebenaggregate im Motor erreichen möchte. Durch die unlackierte Schürze bekommt der Mercedes-Benz Sprinter tatsächlich einen Nutzfahrzeug-Look. Optional kann man aber eine Volllackierung ordern – selbst die Streben im großen Kühlergrill mit zentralem Mercedes-Stern.

Ein wenig darunter versteckt sich eine kleine Kamera, die zeigt, dass Fortschritt und Innovationen nicht an Nutzfahrzeugen vorbeiziehen. Sie gehört zum Paket von insgesamt vier Linsen, die zusammen ein 360-Grad-Bild erzeugen. Noch eine Etage tiefer wartet ein Radarsensor darauf, die Assistenzsysteme mit Informationen zu versorgen.

Chic und weniger Nutzfahrzeug-artig wirken die 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, während die Serie auf 16-Zoll-Stahlfelgen vorfährt. Typisch Sprinter sind die Seitenmarkierungsleuchten, die auch beim neuen Modell nicht fehlen dürfen. Den Eindruck eines VIP-Shuttles erzeugen die ab der B-Säule getönte Scheiben, die die Insassen nicht nur von Blicken, sondern auch von lästigem Lichteinfall befreien.

Am Heck begegnet dem Betrachter Klarheit. Sinnliche Klarheit, würde Gorden Wagener, Chefdesigner bei Mercedes-Benz, sagen. Und klar gezeichnet ist diese Partie des Mercedes-Benz Sprinter wirklich, da sie aus zwei Flügeltüren, einer Kunststoff-Heckschürze und zwei Rückleuchten besteht – that´s it! Letztere bestehen aus einer Melange aus klassischen LED-Rückleuchten und normalen Leuchtmitteln und lassen sich – wie es sich für ein Nutzfahrzeug gehört – schnell vom Innenraum heraus ausbauen. Am oberen Ende des Sprinter-Hecks erwartet einen die präsente Rückfahrkamera. Doch da ist noch etwas auf dem Dach! Genau, das ist nämlich die zusätzliche Klimaanlage, die den Fond bzw. das Ladabteil mit bis zu 11 kW kühlt.

Mercedes-Benz Sprinter Innenraum Check

Steigen wir ein in den Mercedes-Benz Sprinter. Was direkt auffällt: SUV war gestern! Die Sitzposition ist gefühlt zwei Etagen höher, sodass man einen guten Weitblick hat. Dennoch: Einmal Platz genommen, fühlt man sich wie in einem PKW. Das Lenkrad lässt sich in Höhe und Tiefe verstellen, die Gurte sind ebenfalls höhenverstellbar und das Gestühl ist bequem. Im Testwagen war es sogar über Tasten in der Türtafel elektrisch verstellbar und konnte dank Memory-Funktion auf mehrere Fahrer gespeichert werden. Von wegen „karges Nutzfahrzeug“.

Mercedes-Benz Sprinter Innenraum

Mercedes-Benz Sprinter Innenraum

Diesen Charm verliert der Mercedes-Benz Sprinter natürlich nur dank der reichhaltigen Optionsliste. So ist das Lenkrad mit Multifunktionstasten ausgestattet, deren linke Versammlung den Tempomat und Limiter justiert, während die Tasten auf der rechten Lenkradspeiche für das Infotainment zuständig sind. Wer in das Geschehen des optimal agierenden 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebes eingreifen möchte, nutzt die Schaltwippen hinter dem Lenkrad.

Eine (Mercedes-)Eigenheit gibt es aber mitunter: Die Lenkstockhebel sind nicht so angeordnet, wie man es von anderen Fahrzeugen kennt. So sitzt rechts der Gangwahlhebel für die Automatik, während der Wischer links im Blinker-Hebel integriert ist. Gewöhnungssache.

Ganz und gar nicht gewöhnen muss man sich an die klassischen Rundinstrumente, die sich bestens ablesen lassen. Mittig zwischen ihnen befindet sich ein Display für den Bordcomputer – ein Layout, das sich über nahezu Jahrzehnte bewährt hat. Für etwas Pepp sorgen Lüftungsdüsen, die aus dem PKW-Bereich bekannt sind, während das 10,25-Zoll-Infotainment spürbar die Neuzeit in das Nutzfahrzeug-Segment einziehen lässt. Es lässt sich über Touch, das Lenkrad oder die Sprachbedienung MBUX bedienen.

Von der praktischen Seite zeigen sich zahlreiche Staufächer und Dosenhalter auf dem Armaturenbrett sowie unterhalb des Infotainments. Das mittige Staufach im oberen Bereich bietet die Möglichkeit, Kabel zur Verbindung des Smartphones mit dem Infotainment anzuschließen und Apple CarPlay oder Android Auto zu nutzen.

Bevor wir uns nun aber nach hinten, in den Passierraum begeben, sei noch ein kleiner Kritikpunkt angebracht: Der Rückspiegel könnte größer sein! Gerade aufgrund des breiten Mittelsteg der Hecktüren wird die Sicht nach hinten stark eingeschränkt. Nun aber zum Fond! Die seitliche Schiebetür öffnet elektrisch und ermöglicht den Zutritt zu drei Sitzreihen. Natürlich sind unterschiedliche Bestuhlungen möglich, damit man sich den Fond optimal auf seine Bedürfnisse schneidern kann. Praktisch ist, dass man beim Hochdach-Sprinter bequem, aufrecht im Fond stehen kann.

Zudem sind die Wände mit unempfindlichen Kunststoffen beplankt. Und falls man mal die Sitzbänke ausbaut, die übrigens einen tollen Langstreckenkomfort bieten, stehen Verzurrösen bereit, um das Ladegut zu sichern. Beim Herausnehmen der Sitzbänke sollte man aber zu zweit sein, da sie recht schwer sind. Modern: Überall sind kleine Handy-Halterungen mit USB-C-Anschlüsse zum Laden angebracht, sodass das Entertainment im Fahrgastraum nicht zu kurz kommt. Und wer Kindersitze transportieren möchte, freut sich über Isofix mit Top-Tether.

Hundehalter mit USB-C Lademöglichkeit!

Hundehalter mit USB-C Lademöglichkeit!

Zum Kofferraum muss man wohl nicht viel sagen!? Das Volumen kommt immer auf die Sitz-Konstellation an, reicht aber in jedem Fall aus – für nahezu jede Transportaufgabe. Nur die Zuladung von etwa einer Tonne sollte man beachten. Reicht das nicht aus, lassen sich über die optionale Anhängerkupplung bis zu zwei Tonnen anhängen.

Mercedes-Benz Sprinter 319 CDI Motoren Check

Wer viel transportieren möchte, sollte natürlich gut motorisiert sein. Diese Aufgabe erfüllt der 3.0 Liter V6-Diesel im Mercedes-Benz Sprinter 319 CDI mit Bravour! Mit seinen 140 kW/190 PS, die bei 3.800 U/min anliegen und seinem strammen Drehmoment von 440 Nm sind nicht mal die Kasseler Berge ein Problem. Die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h erreicht der Mercedes-Benz Sprinter spielend.

Unter der Haube vom Sprinter 319 CDI: Ein guter alter Bekannter mit guten Manieren!

Unter der Haube vom Sprinter 319 CDI: Ein guter alter Bekannter mit guten Manieren!

Dennoch stellt sich die Frage: Viel Hubraum, viel Drehmoment = hoher Verbrauch? Ganz im Gegenteil! Der Mercedes-Benz Sprinter muss sich mit dem V6 Diesel wenig anstrengen, sodass der Normverbrauch von ca. 9 L/100 km sogar ohne große Probleme erreichbar ist. Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe hat immer einen passenden Gang parat und leitet die Kraft an die Hinterräder.

Wie es sich gehört, erfüllt der große Stuttgarter natürlich die Euro 6d Temp Abgasnorm und ist zudem mit einer Start-Stopp-Funktion ausgerüstet. Dank 93-Liter-Tank und 60.000 km Wartungsintervall kann das Nutzfahrzeug oft das tun, was es am besten kann: Fahren!

Mercedes-Benz Sprinter 319 CDI Fahreindruck Check

Und Fahren ist wirklich eine der großen Stärken des Mercedes-Benz Sprinter. Einmal an die hohe Sitzposition gewöhnt, fährt der Sprinter wie ein PKW. Die Größe und den Wendekreis von 13,3 Meter sollte man im Blick behalten, dann lässt es sich sehr entspannt mit ihm leben. Die Federung ist äußerst komfortabel, die Lenkung leichtgängig, wenn auch nicht besonders reich an Rückmeldung und der Sechszylinder antrittsstark. Zudem zeichnet sich das Aggregat durch seine Laufruhe und die Kombination mit der sehr guten Automatik aus.

Den Diesel-Verbrauch vom Sprinter 319 CDI kann man sehr gut mit dem Gasfuß dosieren!

Den Diesel-Verbrauch vom Sprinter 319 CDI kann man sehr gut mit dem Gasfuß dosieren!

Realistischer Verbräuche können wir aufgrund von vielen abgerissenen Kilometern ebenfalls bieten. Bei gemütlicher Fahrweise mit aktivem Abstandstempomaten und 80 km/h hinter einem LKW liegen 8-9 Liter auf 100 km an. Wer mit konstant 100 km/h fährt, muss einen Liter drauflegen und mit 9-10 Litern rechnen. Bei der komfortablen Reisegeschwindigkeit von 120 km/h liegen rund 10-11 Liter an, während ab 130 km/h 13 und mehr Liter konsumiert werden. Und das geht angesichts des kraftvollen Antriebs, der großen Stirnfläche und des Ladepotenzials völlig in Ordnung.

Wie nicht anders zu erwarten, spürt man das Hochdach bei Seitenwind. Nicht zuletzt durch den serienmäßigen Seitenwind-Assistenten ist das Fahrverhalten aber jederzeit problemlos. Schön wäre noch, wenn ein aktiver Spurhalte-Assistent verfügbar wäre. Ein besonders nützlicher Assistent ist – gerade bei einem derart großen Fahrzeug, der Tot-Winkel-Warner, der bestens funktioniert. Und auch die 360-Grad-Kamera sei empfohlen, da sie das Einparken mit dem auslandenden Sprinter zum Kinderspiel macht.

Mercedes-Benz Sprinter 319 CDI Preis Check

Kommen wir zum schmerzhaften Kapitel, dem Preis Check. Geht der Basispreis von 46.650 Euro vielleicht noch in Ordnung, lassen die 98.025 Euro, die beim Testwagen mit seinen vielen Optionen anliegen, die Unterkiefer gen Asphalt klappen. Nun: Es war schon immer etwas teurer einen Mercedes zu fahren, hieß es einmal in einer Werbung. Und wer den guten Motor, die LED-Scheinwerfer, die 360-Grad-Kamera, die neun Sitze, das Infotainment und die Assistenten sowie die Extra-Klimaanlage für den Fond und, und, und haben möchte, muss leider auch die Aufpreise in Kauf nehmen.

Ideale VAN-Life Basis? People-Mover? Familien-Freund? Der Sprinter ist eine Allzwecklösung!

Ideale VAN-Life Basis? People-Mover? Familien-Freund? Der Sprinter ist eine Allzwecklösung!

Mercedes-Benz Sprinter 319 CDI Zielgruppencheck und Fazit

Sind wir ganz ehrlich: Wenn es ein Fahrzeug gibt, das wirklich alles kann, dann ist es der Mercedes-Benz Sprinter 319 CDI. Die Verarbeitungsqualität und Verarbeitung sind top, der Platz für Passagiere und jegliches Gepäck immer vorhanden und der Antrieb äußerst souverän.

Natürlich ist der Sprinter sehr teuer, wird in den meisten Fällen aber wohl als Firmenfahrzeug geleast – was die heftigen Preise keinesfalls abmildert. Dennoch bekommt man ein Fahrzeug, das mit allen Wassern gewaschen ist. Und wer in ein paar Jahren einen jungen Gebrauchten findet, kann sich den Traum vom Van-Life zu einem erschwinglichen Preis vielleicht sogar erfüllen.