Elektroautos 2020 - Wenn nicht jetzt wann dann?

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Elektroautos / Elektromobilität 2020 – Wenn nicht jetzt wann dann?

Heute geht es um das Thema Elektroautos! Zugegeben: Die Corona-Krise hat der Automobil-Branche stark zugesetzt. Produktionen leisten Kurzarbeit und das gesamte Händler-Netz schließt. Einzig die Werkstätten hatten vereinzelt geöffnet, um die bisherige Mobilität zu gewährleisten. Aber ist allein die Corona-Krise schuld an den Problemen der Automobil-Industrie in Deutschland? Immerhin haben viele heimische Hersteller Zukunftskonzepte der Mobilität lange vernachlässigt und verschlafen. Die E-Mobilität ist eines dieser Felder. Und genau diesem Feld wollen wir uns widmen, da es sehr vielschichtig ist. Staatliche Zuschüsse, eine Modellübersicht und der kritische Umgang mit dem Thema sollen unter anderem im Mittelpunkt dieses Beitrags stehen.

Aktuelle Elektroautos 2020 – Was gibt der Markt her?

Wie bei Verbrennern üblich, gibt es verschiedene Größen und Kategorien für Elektroautos. So sollte, wie bisher, für jeden etwas dabei sein. Fangen wir also mit der Sparte der Kleinwagen an. Ganz neu, also gerade vorgestellt, wurde der Fiat 500 mit einer 118 PS leistenden E-Maschine und einer Reichweite von 320 km. Daneben wirkt der eGo Mobile Life wie ein halbes Auto, ist entschieden kleiner und schafft auch nur bis zu knapp 140 km mit einer Ladung. Ein ähnliches Format haben die Smart Modelle EQ ForFour, ForTwo Coupé und Cabrio. Sie alle eint der rein elektrische Antrieb.

Elektroautos 2020 - smart forfour EQ

Elektroautos 2020 – smart forfour EQ

Kommen wir zum Volkswagen Konzern: Hier stehen der Seat Mii Electric, der Skoda Citigo iV und der Volkswagen e-Up! bereit, lautlos durch die Stadt zu fahren. Sie eint eine 32,2 kWh-Batterie, die für maximal 260 km Reichweite gut sein soll. BMW setzt auf den sportlichen Mini Cooper SE, der mit 184 PS für Fahrspaß sorgt.

Blicken wir auf ein weiteres Trio: Opel Corsa-e, Peugeot e-208 und Peugeot e-2008 nutzen dieselbe Technik. Im Detail bedeutet das eine 50 kWh-Batterie mit maximal 330 km Range. Die Leistung wird mit je 100 kW/136 PS angegeben. Da kann der erfolgreiche Renault Zoe mithalten. Sein Paket aus wahlweise einem 41kWh- oder 52 kWh-Akku mit 300 respektive 390 km Reichweite und 80 oder 100 kW Motorleistung lassen ihn auf Augenhöhe fahren. Bleibt der Honda e! Mit seiner 35 kWh-Batterie fällt die Reichweite geringer aus – 200 km sollen es maximal sein. Immerhin generiert der Motor 110 kW/150 PS und ist damit ziemlich flott!

Machen wir mit den kompakten Derivaten weiter. Da wären etwa die Gebrüder Kia e-Soul und Kia e-Niro, die entweder mit einem 39,2kWh- oder 64 kWh-Akku vorfahren. Die Leistungen liegen bei 136 bzw. 204 PS. Mit der großen Batterie kann man natürlich eine große Reichweite generieren: Maximal sollen 455 km möglich sein.

 

Ob das der Mazda MX-30 auch kann? Der Crossover leistet 145 PS und schöpft aus seiner 35,5 kWh-Batterie 237 km Reichweite. Weiter geht es mit dem DS3 Crossback, der ebenfalls als Crossover gestaltet wurde. In ihm arbeitet eine 50 kWh-Batterie, die bis zu 300 km Reichweite liefern soll. Je nach Ladezustand, kann die Motorleistung in Stufen von 100 auf 50 kW gedrosselt werden.

Blicken wir in nach China, explizit auf den Aiways u5. Das stromernde SUV rollt noch in diesem Jahr nach Deutschland und protzt mit 400 km Reichweite dank einer Batterie mit 63 Kilowattstunden. Als Leistung stehen 191 PS bereit. Ein Klassiker im kompakten Elekroauto-Programm ist der BMW i3. Seine 37,9-kWh-Batterie soll 359 km Reichweite laut NEFZ ergeben, während der 125 kW/170 PS E-Motor für muntere Fahrleistungen sorgt.

Elektroautos 2020 - Opel Ampera-E

Elektroautos 2020 – Opel Ampera-E

Bleiben wir in Deutschland und blicken auf den Opel Ampera-e. Der Rüsselsheimer bringt es auf dynamische 204 PS und soll mit seinem 60 kWh-Akku bis zu 340 km weit kommen. Und der Erzrivale aus Wolfsburg? Volkswagen bietet den e-Golf als aktuellen Start der Elektrooffensive. Der Golf 8 ist noch nicht als e-Golf erhältlich, weshalb wir auch auf die siebte Generation blicken. Ihre 136 PS sind für den Alltag ausreichend, gleiches gilt für die 300 km Maximalreichweite aus dem 35,8 kWh-Akku.

Stellen wir nun den Musterknaben in diesem Segment – den Nissan Leaf – dagegen. Der Japaner ist mit einem 40 oder 62 kWh-Akku erhältlich und erreicht einen Aktionsradius von 270 bis 385 km. Ist die Basis mit 110 kW/150 PS bereits munter motorisiert, kommt im Nissan Leaf+ mit seinen 160 kW/217 PS richtige Fahrfreude auf. Was bieten die Koreaner? Hyundai schickt die Modelle Ioniq Elektro und Kona Elektro ins Rennen. Beide lassen sich mit 100 kW/136 PS bis 150 kW/204 PS motorisieren und vertrauen auf eine 39- oder 64 kWh- Batterie, die bis zu 289 bzw. 484 km Reichweite ermöglichen soll.

Bleibt noch ein Fahrzeug übrig: Der Toyota Mirai. Im engeren Sinne kein reiner Stromer, sondern ein Brennstoffzellenfahrzeug. Doch hier treibt Wasserstoff eine e-Maschine an, wodurch wir den Japaner mit einbeziehen. Mit einer vollen Tankfüllung sollen bis zu 480 möglich sein. Der von der Brennstoffzelle angetriebene E-Motor generiert 114 kW/155 PS und ist ausreichend kräftig.

Toyota Mirai - Brennstoffzelle

Toyota Mirai – Brennstoffzelle

Wie sieht es in der gehobenen Mittelklasse aus? Dieses Feld ist noch recht dünn besetzt. Da wäre etwa der Ford Mustang Mach-E – ein brandneues Elektro-SUV. Es leistet 258 bis 465 PS und bezieht seine Reserven aus einem 75- oder 99 kWh-Akku. Output: ordentliche 480 oder 600 km Reichweite. Bleiben wir bei einem weiteren Amerikaner, dem Tesla Model 3. Das Standard-Modell kann mit seinem 50 kWh-Akku bis zu 409 km weit kommen, während das „Long Range“ Modell 560 km aus dem 74 kWh-Akku zieht.

Die Performance Variante mit 85 kWh-Batterie soll 530 km schaffen, ist mit seinen Fahrleistungen aber weit überlegen. Das Brennstoffzellenfahrzeug Hyundai Nexo schafft maximal 666 km und ist 120 kW/163 PS stark. Und der Volvo XC40 Recharge? Die Schweden bieten das SUV als reinen Stromer mit einer Leistung von 300 kW/408 PS und einer Reichweite von 400 km an. Die Energie speichert ein 78 kWh-Akkupaket.

Volvo XC40

Volvo XC40

Angekommen im automobilen Oberhaus, wird die Auswahl kleiner. Da wäre der Jaguar I-Pace, der eine 90 kWh-Batterie, 480 km Range und 400 PS ins Rennen schickt. Können der Audi e-tron und e-tron Sportback da mithalten? Eindeutig ja! Die Ingolstädter bieten entweder einen 71- oder 95 kWh-Akku sowie maximal 411 km Reichweite. Die Leistung reicht von 230 kW/313 PS bis 300 kW/408 PS.

Audi e-tron

Audi e-tron

Mercedes-Benz setzt mit dem EQC ein SUV-Pendant dagegen. Die Stuttgarter verbauen eine Batterie mit 80 Kilowattstunden und 471 km Reichweite. Die Leistung liegt – wie beim Audi e-tron Sportback 55 – bei 300 kW/408 PS.

Mercedes-Benz EQC

Mercedes-Benz EQC

Kommen wir zu Telsa. Die Modelle Telsa Model S und Model X könnten unterschiedlicher kaum sein. Die Limousine Model S setzt auf einen 100 kWh-Akku, der 610 km, bzw. beim Performance-Modell 593 km Reichweite ermöglichen soll. Die Fahrleistungen sind über jeden Zweifel erhaben. Der Crossover Model X ist in drei Varianten erhältlich: Standard Range mit 75 kWh-Batterie, als Long Range und Performance mit 100 kWh-Akku. Damit sollen 417, 565 oder 542 km Reichweite möglich sein. Auch hier sind die Fahrleistungen aberwitzig.

Als echter Tesla Model S Performance Widersacher ist der Porsche Taycan jüngst dazugekommen. Der Stuttgarter ist als 4S mit 71 kWh oder als Turbo bzw. Turbo S mit 83,7 kWh-Batterie erhältlich. Damit sollen Reichweiten von 333 bis 450 km möglich sein. Und die Fahrleistungen? Porsche-typisch hoch, immerhin stehen maximal 761 PS bereit.

Schauen wir zum Schluss auf die Nutzfahrzeug-Klasse. Ein Klassiker ist mittlerweile der Nissan NV200 Evalia. Der Transporter ist mit einer 24 kWh- oder 40 kWh- Batterie erhältlich und soll 200 bzw. 275 km Reichweite ermöglichen. Sein Leistungsoutput liegt bei 80 kW/109 PS. Ihm gegenüber steht der
Mercedes-Benz EQV.

Die elektrifizierte V-Klasse geht mit einem 90 kWh-Akku ins Rennen und soll über 400 km Reichweite ermöglichen. 204 PS sollten einen ausreichenden Vortrieb gewährleisten. Mit etwas weniger muss sich der Opel Vivaro-e zufriedengeben. Der Rüsselsheimer ist 100 kW/136 PS stark und kann wahlweise mit einer 50 kWh- oder 75 kWh-Batterie bestellt werden. Die Reichweiten liegen bei 230 bis 330 km.

Förderung, Kaufprämie, Konjunktur-Programm

Die Elektromobilität nimmt ganz aktuell an Fahrt auf. In diesem Kapitel untersuchen wir, was das eigentlich heißt, welche staatlichen Kaufprämien es gibt und welche Anreize noch bestehen.

Bei staatlicher Kaufprämie müsste es klingeln: Um den Erwerb von Elektrofahrzeugen zu fördern, hatte die Bundesregierung ein milliardenschweres Paket geschnürt, das Anreize zum Kauf oder Leasing setzen soll. Eingeschlagen hatte es bislang noch nicht so richtig, weshalb man im Zuge der Corona-Krise beschloss, die Maßnahme auszuweiten. So wurde die Förderung – im Volksmund auch Umweltbonus genannt – auf mehr als zwei Milliarden Euro aufgestockt. Die Kosten teilen sich Bund und Autoindustrie paritätisch. Mit diesem Paket erhofft man sich, dass rund 650.000 Elektro-Fahrzeuge gefördert werden können.

Dabei gilt: Es werden höhere Fördersätze für Fahrzeuge mit Erstzulassung nach dem 4. November 2019 ausgezahlt. Ob das jeweilige Auto gekauft oder geleast wird, spielt keine Rolle, da beides förderfähig ist. Wichtig: Bezuschusst werden reine Stromer, Brennstoffzellenfahrzeuge und drüber hinaus PHEVs, also Plug-In Hybride.

Das im Zuge der Corona-Krise geschnürte Konjunktur-Programm sieht eine Verlängerung der bisherigen Maßnahmen bis 2025 vor (bislang 2020) und verdoppelt sogar die staatliche Kaufprämien. Die Erhöhung gilt jedoch nur bis Ende 2021 und hört auf den Namen Innovationsprämie. Sprich: Der Anteil des Bundes steigt von 3.000 auf 6.000 Euro, während die Hersteller weiterhin 3.000 Euro dazugeben. Macht unter dem Strich bis zu 9.000 Euro für Elektroautos. Wobei das auch nur die halbe Wahrheit ist. Auf Details gehen wir im nächsten Kapitel ein.

Zur Elektromobilität gehört aber noch mehr, als das reine Fahrzeug. Strom und das dazugehörige Netz müssen genauso wachsen, damit diese Technologie besser genutzt wird und flächendeckenden Einsatz findet. Dementsprechend gibt es verschiedene Ansätze, wie beispielsweise die Förderung durch die KfW-Bank. Plant man etwa eine Dachsanierung oder einen Umbau auf eine neue, effiziente Heizung, sollte man dringend einen Energieberater hinzuziehen. Warum? Ganz einfach: Wer eine Beratung nachweisen kann, bekommt vom Bund 10-30 Prozent der Baukosten, inklusive Wallbox zum Laden eines Stromers, erstattet. Zudem sind vergünstigte Kredite möglich. Das ist zwar nicht der direkteste Weg einer Förderung, aber genau deshalb erklären wir diese Möglichkeit hier.

Klar hinschauen muss man darüber hinaus von Anbieter zu Anbieter und von Bundesland zu Bundesland – es tun sich entscheidende Unterschiede auf. Nordrhein-Westfalen ist besonders spendabel und startet das Sofortprogramm-Elektromobilität. Dieses Paket bezuschusst private Ladestation mit 2.500 Euro und fördert Unternehmen mit öffentlichen Ladepunkten mit 6.000 Euro. Natürlich gibt es ein paar Hürden! So müssen zunächst die anspruchsvollen Antragsformulare ordnungsgemäß ausgefüllt und eingereicht werden. Zudem darf der Einbau einer entsprechenden Anlage nur durch einen Fachbetrieb erfolgen und die Versorgung ausschließlich mit einem Ökostrom-Vertrag betrieben werden. Aber nur so macht das Konzept Sinn. Und ob man bei einer Starkstrominstallation wirklich selbst Hand anlegen möchte? Welche Förderung in welcher Region möglich ist, erfährt man am besten von seiner Gemeinde.

Butter bei die Fische: Wie viel Zuschuss gibt es?

Jetzt aber! Ist der heimliche Traum-Stromer im Kopf bereits konfiguriert und steht er in der heimischen Garage bereits an der Ladesäule? Gut, dann wollen wir einmal schauen, ob dieses Fahrzeug überhaupt förderfähig ist und wenn ja, mit welcher Summe. Für die „Umweltprämie“ kommen reine E-Fahrzeuge, Brennstoffzellenautos und PHEVs, also Plug-In Hybride in Frage. Grundsätzlich wären auch Verbrenner möglich, doch müssen sie einen CO2-Ausstoß von weniger als 50 Gramm pro Kilometer aufweisen – und welcher Verbrenner kann das schon? Wichtig außerdem: Das jeweilige Fahrzeug muss auf der BAFA-Liste (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) stehen!

Doch diese Bedingungen sind noch nicht die letzte Hürde – ausschlaggebend sind auch die Kaufpreise der jeweiligen Fahrzeuge. So werden Elektroautos bis 40.000 Euro ab dem 1. Juli mit 9.000 Euro Innovationsprämie gefördert. Der 1. Juli ist deshalb ausschlaggebend, weil hier das Corona-Paket greift. Elektroautos mit einem Bruttolistenpreis bis maximal 65.000 Euro können mit 7.500 Euro bezuschusst werden. Bei den PHEVs ist der warme Segen etwas kleiner, aber nicht minder interessant. Bei einem Kaufpreis von maximal 40.000 Euro werden 6.750 Euro zugeschossen. Kostet der neue Plug-In Hybrid maximal 65.000 Euro, können 5.625 Euro Kaufprämie ausgezahlt werden. Wichtig: Die erhöhte Bezuschussung gilt nur bis 31.12.2021!

Elektroautos 2020: Nissan Leaf vs. Renault ZOE

Elektroautos 2020: Nissan Leaf vs. Renault ZOE

Was aber, wenn es gar kein Neufahrzeug sein soll?

Kein Problem! Auch Gebrauchtfahrzeuge sind in der Förderung der Elektroautos vorgesehen. Voraussetzungen sind aber auch hier vorhanden. Der Gebrauchte muss jung sein, also maximal am 5. November 2019 zugelassen worden sein. Außerdem darf das Fahrzeug nicht länger als 12 Monate registriert gewesen sein und maximal 15.000 km auf dem Tacho haben. Und – das ist besonders wichtig: Diese Bedingungen müssen durch den TÜV oder einen Sachverständigen bestätigt werden. Ist das erfolgt, werden Stromer – die so genannten BEVs – mit 5.000 Euro und PHEVs mit 3.750 Euro gefördert. Wenn, ja wenn zuvor kein Kaufbonus für dieses Fahrzeug ausgezahlt wurde, versteht sich.

Nicht vergessen wollen wir Gewerbetreibende und Geschäftsleute. Privat genutzte, elektrisch angetriebene Dienstwagen wurden bislang mit 0,5 statt mit 1,0 Prozent versteuert – so das „alte“ Konjunkturpaket. Ausschlaggebend ist auch hier der Bruttolistenpreis. Elektroautos, die ab 2020 angeschafft wurden, sind mit dem neuen Konjunktur-Programm nur noch zu 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises bei der Steuer anzusetzen. Und noch etwas ist wichtig: In diesem Beitrag gehen wir nicht auf Sonderaktionen von Herstellern ein, da diese zeitlich beschränkt sein und von Händler zu Händler unterschiedlich ausfallen können. Es heißt also auch hier die Augen offen zu halten und Preise, Prämien und Produkte zu vergleichen.

Weiterer Vorteil: Die Steuerbefreiung! Bis zuletzt galt: Elektrofahrzeuge, die bis Ende 2020 zugelassen wurden, sind zehn Jahre befreit. Dank des neuen Konjunktur-Programms ist aber auch hier eine Änderung zu verzeichnen. So wird die KFZ-Steuerbefreiung bis Ende 2025 gewährt und insgesamt bis Ende 2030 verlängert. Das kann sich rechnen!

CHAdeMO, CCS oder Typ 2 Ladestecker?

CHAdeMO, CCS oder Typ 2 Ladestecker?

Boom, Boom, Boom, Boom…

„…I want you in my room!“, hieß es seinerzeit in einem Song der Vengaboys. Und wenn man den Zahlen des KBA (Kraftfahrt-Bundesamt) vertrauen möchte, holen immer mehr Deutsche ein Elektroauto „in my Garage!“. Schauen wir uns die Zahlen einmal genauer an, die den Boom verdeutlichen. Wurden im Jahr 2010 rund 540 Elektrofahrzeuge zugelassen, stieg die Zahl über die Jahre stetig an. Bereits 2015 hat sich die Zahl mehr als verzwanzigfacht: Über 12.000 Elektroautos und etwa 11.000 Plug-In Hybride fanden einen Abnehmer. 2019 explodierten die Zahlen förmlich. So wurden mehr als 45.000 Plug-In Hybride und über 63.000 Elektro-Autos abgesetzt. Eine Trendwende ist alles andere als wahrscheinlich.

PHEV = Plug-In-Hybrid Modelle haben die Kraft der zwei Herzen!

PHEV = Plug-In-Hybrid Modelle haben die Kraft der zwei Herzen!

Entsprechend werden die Modellpaletten ausgeweitet – massiv! Man erwartet bis 2025 mehr als vier Millionen Batterieelektrische Fahrzeug und Plug-In Hybride. Es ist also klar, dass die Investition der Automobilhersteller zugenommen haben: 145 Milliarden Euro sollen in die Elektromobilität fließen. Das äußert sich in voraussichtlich über 200 elektrischen und teilelektrischen Modellen bis 2021. Das macht die Industrie natürlich nicht ganz freiwillig, sondern weil sie von EU-Grenzwerten dazu getrieben wird, schließlich müssen Hersteller 2020/21 ihren durchschnittlichen Flottenausstoß auf 95 Gramm CO2 pro Kilometer senken. Andernfalls drohen Strafzahlungen bei Nichteinhaltung. Das Positive dabei ist nicht nur die Vielzahl neuer Derivate, sondern ein entscheidender Wirtschaftsfaktor: Durch neue Technologien und Batterieentwicklungszentren ist die Schaffung von rund 120.000 zukunftssichereren Jobs zu erwarten.

Das Ladenetz: Nicht nur Fahrzeuge werden gefördert

Eine Kaufprämie und die Bezuschussung von Ladepunkten sind gut, aber sie sind nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite steht nämlich die Elektro-Infrastruktur. Das weiß natürlich auch der Bund und steckt 2,5 Milliarden Euro in den Ausbau eines modernen und sicheren Ladesäulen-Netzes. Darüber hinaus soll dieser Topf die Forschung und Entwicklung der E-Mobilität und Batteriefertigung fördern, sowie einen beschleunigten Ausbau der Ladeinfrastruktur ermöglichen. Dazu zählt auch die Einrichtung eines einheitlichen Bezahlsystem an Ladesäulen. Vorgesehen sind unter anderem Ladepunkte an herkömmlichen Tankstellen sowie Säulen an öffentlich zugänglichen Punkten, wie etwa an Kitas, Krankenhäusern, Sportplätze etc.

Online!

Online!

Status quo: Wie kommt der Strom ins Auto?

Ausbau des Ladenetzes schön und gut, doch was macht man, wenn man kein Eigenheim oder einen Tiefgaragenstellplatz hat. Was passiert vor dem Mehrfamilienhaus, dem Wohnblock oder der Mietwohnung in einer ländlichen Gegend? Es mag sein, dass moderne Wohnkomplexe mit eigenem Tiefgaragenstellplatz ausgestattet sind und sich dort bereits eine Ladesäule für ein Elektroauto befindet. So kann man sein Fahrzeug abends ganz einfach an der Wallbox am üblichen Stellplatz laden, wie man es mit dem Smartphone macht – fertig. Aber, wie gesagt: Das ist nicht üblich.

Eine andere Konstellation: Der Tiefgaragenstellplatz ist vorhanden, aber nur eine oder zwei Haushaltssteckdosen in der gesamten Tiefgarage vorhanden – und die ist Gemeinschaftseigentum. Da kann die Installation einer Wallbox zum Streitfall werden, obwohl die Installation per se nicht teuer und kompliziert ist. Der Grund ist so klar, wie einfach: Über das Gemeinschaftseigentum muss in der Eigentümerversammlung diskutiert werden – und Entscheidungen sind nur selten schnell getroffen.

Die Ladezeiten variieren!

Dabei kann es so einfach sein! Starkstrom, also 380 Volt, ist in jedem Haushalt in der Regel vorhanden. Darüber hinaus müssen die feuerpolizeilichen Vorschriften erfüllt werden. Aber auch das sollte kein Problem darstellen, da die Hausanschlüsse für gewöhnlich im Keller vorhanden sind und die Installationen von Profis durchgeführt werden müssen.

Wenn all das nicht klappt, muss man natürlich ausweichen und beispielsweise auf der Arbeit tanken. Das geht allerdings auch nur dann, wenn Parkplätze mit Ladesäule ausgestattet sind. Die Abrechnung der Stromkosten ist aufgrund moderner Software an den Ladesäulen kein Problem. Vielleicht bietet der Arbeitgeber ja sogar kostenfreies Laden für seine Mitarbeiter an?

Wenn auch diese Option ausfällt, bleibt nur noch das Laden an einer nahegelegenen Ladesäule – und die sind gerade in städtischen Gebieten Mangelware. Was macht man außerdem in den 30 Minuten Ladezeit, die viele Stromer für das Erreichen von 80 Prozent Akkustand brauchen? Hierfür gibt es Konzepte. So können Laternen beispielsweise zu Ladepunkten umgerüstet werden. Das geht recht einfach und ermöglicht dank geeichten Zähluhren in den Ladekabeln ein genaues Abrechnen. Dafür müssten die Gemeinden, Kommunen und Städte nur häufiger ihr Okay geben – und das ist aktuell genau das Problem. Man muss also genau schauen, wie das Laden klappt. Und ob überhaupt.

Nicht jeder hat eine Ladesäule vor der Haustür!

Nicht jeder hat eine Ladesäule vor der Haustür!

Warum man sich für ein Elektroauto entscheiden sollte

Dabei gibt es wirklich entscheidende Vorteile für BEVs und PHEVs. Kommunen haben verschiedene Möglichkeiten, Fahrer von E-Fahrzeugen zu fördern. So können Busspuren für E-Autos geöffnet werden, Durchfahrverbote aufgehoben oder Parkplätze kostenfrei gestaltet werden. Und genau das passiert auch: Fahrzeuge mit E-Kennzeichen dürfen vielerorts die Busspuren nutzen und haben damit – besonders im Berufsverkehr – einen echten Vorteil. Es soll sogar Kommunen geben, die kostenlose Ladestationen bieten – man höre und staune!

Es gibt natürlich weitere Vorteile – unabhängig der Städte und Kommunen. Da wären etwa die geringeren Betriebskosten. So ist Strom nicht zuletzt günstiger als Benzin oder Diesel. Dank Rekuperation ist der Bremsenverschleiß wesentlich geringer und Ölwechsel entfallen auch – ein Konzept, das aktuell das Überleben vieler Werkstätten sichert.

Elektroautos 2020: Audi e-tron Sportback

Elektroautos 2020: Audi e-tron Sportback

Angenehm ist zudem der besonders hohe Geräuschkomfort elektrisch angetriebener Fahrzeuge. Und noch etwas ist wirklich angenehm: Der Steuervorteil! Für sein grünes Gewissen tut man obendrein etwas, da man lokal emissionsfrei fährt und somit die Luft in Ballungszentren, wie Städten, nachhaltig verbessert.

Was gegen ein Elektroauto spricht

Kein Pro ohne Contra: Natürlich gibt es auch Nachteile der Elektromobilität. So sind die modernen Derivate häufig teuer und die Anschaffungspreise deftig. Die Ladezeiten von häufig 30 Minuten und mehr sind ebenfalls nicht nach jedermanns Gusto – die aktuell geringeren Reichweiten der reinen BEVs ebenfalls nicht. Dass hier, aufgrund der immer reiferen Technologie und Forschung aber langfristig aufgeholt wird, zeigt die Modellauswahl im Anfangskapitel. Fraglich ist indes, ob Batterien im Wintereinsatz in Zukunft besser werden, oder ob es bei einer reduzierten Kapazität bleibt. Den Zustand der Lademöglichkeiten und dessen Ausbau haben wir bereits thematisiert.

Gerade im Stadtverkehr spielt ein Elektroauto die Vorteile aus!

Gerade im Stadtverkehr spielt ein Elektroauto die Vorteile aus!

Feuer und Flamme: Wie sicher sind Elektroautos?

Kommen wir zu einer weiteren Frage: Wie sicher sind Elektroautos – vor allem bei einem Unfall? Besteht Brandgefahr durch einen Elektromotor? Das Thema wird medial häufig stärker ausgeschmückt, als es nötig wäre. Schließlich werden an Elektroautos dieselben Sicherheitsanforderungen gestellt, wie an Verbrenner, immerhin sind die Standards für alle Autos gleich. Darüber hinaus gilt: die Sicherheitstechnik wird an die jeweilige Antriebstechnik angepasst. Entsprechend gilt für Stromer ausnahmslos der Grundsatz, dass nur die Autos eine Zulassung bekommen, die auch die gesetzlichen Anforderungen erfüllen.

Wenn man ganz objektiv an das Thema herantritt, weisen Elektroautos sogar einen höheren Sicherheitsstandard aus, da alle Komponenten des E-Antriebs eigensicher sein müssen. Tritt ein Fehler auf, darf dadurch keine Gefahr entstehen. So wird bei einem Defekt sofort der Strom gekappt und die
Batterie bei einem Unfall in Sekundenbruchteilen von allen Hochvolt-Komponenten abgekoppelt. Ferner werden spezielle Stromer-Crashtests durch die Dekra durchgeführt, die zeigen, dass BEVs genauso sicher sind, wie herkömmliche Modelle. Das liegt zum einen daran, dass Batterien in der Regel gut geschützt im Fahrzeugboden verbaut werden und zum anderen an der Tatsache, dass sie durch einen speziellen Rahmen verstärkt werden. Unter dem Strich sind die unfallrelevanten Strukturen, die die Insassen schützen, auch für die Sicherheit der Batterie gut.

Ford Kuga PHEV

Ford Kuga PHEV

Kommen wir zur Brandgefahr. Zunächst gilt: auch Verbrenner können – ups, Wortspiel – brennen. Das passiert in Deutschland sogar rund 20.000 Mal pro Jahr. Die Dekra verneint obendrein, dass das Risiko bei Stromern größer ist. Kein Wunder, sind bei Verbrennern schließlich größere Mengen brennbarer Flüssigkeit an Bord, die im Fall eines Unfalls als Brandbeschleuniger ursächlich sein können. Das gibt es beim Stromer nicht, sodass ein Abbrennen, im Fall des Falles, also langsamer erfolgt.

Kritisch sind natürlich die Rauchgase, die im Brandfall entstehen und gesundheitsgefährdend sind, zu betrachten. Eine Umstellung muss man überdies auch bei einem tatsächlichen Brand akzeptieren. Selbst wenn ein Feuer vermeintlich gelöscht ist, muss eine Batterie dennoch in einen Löschcontainer. Die Zellen der Batterie, aus denen ein Akku-Pack zusammengesetzt ist, können sich einzeln entzünden und weitere Zellbrände verursachen. Das kann nur in einem Löschtank unterbunden werden, in dem die Batterie komplett geflutet wird.

Schon Helmut Kohl wusste…

„Wichtig ist, was am Ende hinten rauskommt!“ Und das ist bei einem Stromer ganz einfach nichts! Keine Abgase, keine Schadstoffe, sondern häufig ein entspanntes und nachdrückliches Fahren. Am Ende muss die Ökobilanz aber ganzheitlich stimmten: Es ist also sehr entscheidend, was man in einen Stromer hineinsteckt – und das ist am besten Energie aus erneuerbaren Quellen. Die Ansätze gehen in diese Richtung, indem förderfähige Wallboxen nur mit Ökostrom betrieben werden und wir eine Energiewende politisch verankern. Darüber hinaus wird das Ladenetz ausgebaut, sodass der Umstieg auf einen BEV oder PHEV immer leichter fällt.

Der neue Nissan Leaf schafft locker 380 km mit einer Akkuladung!

Der neue Nissan Leaf schafft locker 380 km mit einer Akkuladung!

Dank der staatlichen Förderungen werden diese Fahrzeuge obendrein erschwinglicher. Immerhin sind 40.000 Euro, die als Obergrenze für den Maximal-Fördersatz gelten, viel Geld! Es ist also vorstellbar, dass ein Zuschuss von 9.000 Euro ein entscheidender Kaufanreiz sein kann. Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass kein Weg an einer (voll-)elektrischen Zukunft vorbeiführt. Fragt sich nur: Sind Sie ein Early Adopter, gehören Sie zur „frühen Majorität“, zur „späten Majorität“ oder verschließen Sie sich vor Neuem?