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2020 Mercedes-Benz GLA 250 Fahrbericht | Test | Review

Wenn man den neuen Mercedes-Benz GLA 250 betrachtet und sich dabei gleichzeitig das Vorgängermodell vor Augen führt, wird man erkennen, dass das neue Kompakt-SUV zwar ein GLA geblieben ist, sich aber stark verändert hat. Er ist klarer geworden, dabei aber strammer, spitzer, ja irgendwie sinnlicher. Ergibt das Sinn? Genau dieser Frage wollen wir im Drive Check auf den Grund gehen und betrachten den neuen Mercedes-Benz GLA 250 genauer.

2020 Mercedes-Benz GLA 250 Fahrbericht

2020 Mercedes-Benz GLA 250 Fahrbericht

Mercedes-Benz GLA Design Check

Starten wir mit den klaren Daten, bevor wir zu Sinnlichkeit kommen: Der Mercedes-Benz GLA 250 ist 1,61 m hoch, mit Außenspiegeln 2,02 m breit und 4,41 m lang. Damit ist er ein klassischer Vertreter der Kompakt-SUV-Gattung. Dennoch markiert der GLA den Einstieg in die SUV-Welt der Stuttgarter. Über ihm rangieren der GLB, GLC, GLE, GLS und wenn sie nicht gestorben sind, dann besetzen sie noch heute Lücken und Nischen.

Ein typischer Mercedes?

Ein typischer Mercedes?

Zur Sinnlichkeit: Der Mercedes-Benz GLA 250 hat sich gemacht! Wirkte er in der ersten Generation etwas barock und ein klein wenig unförmig, scheint die neue Generation geradezu ein fester Bestandteil einer Crossfit-Gruppe zu sein. Erst recht in den hochwertigeren der drei Ausstattungslinien. Los geht es mit „Style“, weiter zu „Progressive“ und schließlich zur „AMG Line“, der teuersten Linie. Als besonderes Schmankerl wird die Edition 1 gereicht, die sportliche AMG-Attribute und eine schöne Ausstattung mitbringt, aber nur zum Start erhältlich ist. Classic, Elegance und Avantgarde sind also Schnee von gestern.

Im Hier und Jetzt wirkt der Mercedes-Benz GLA 250 erstaunlich cool, clean und dynamisch. An der Front wartet der typische, umgedrehte Panamericana-Grill mit integriertem Mercedes-Stern und wird von zwei LED-Scheinwerfern eingerahmt. Diese sind keineswegs Serie, der GLA kommt ab Werk mit Halogen-Scheinwerfern vorgefahren. Bei den LEDs hat man die Wahl zwischen High-Performance und Multibeam. Die High-Performance sollten es aber mindestens sein. Sie sehen nicht nur besser aus, sondern bieten vor allem eine bessere Sicht. Und mehr Licht = mehr Sicht = mehr Sicherheit.

Modernes Heck!

Modernes Heck!

Ansonsten fällt der Mercedes-Benz GLA 250 mit seiner sportlichen, aber zurückhaltenden Art auf. Es gibt eigentlich nichts, das man nicht schon gesehen hätte. Die Radhäuser sind kantig und groß, beherbergen beim Testwagen 19-, optional sogar 20-Zoll-Felgen. Sicken und Kanten glänzen fast vollständig durch Abwesenheit. Was es hingegen gibt, sind Kunststoff-Beplankungen rundum. Jene sollen den Anspruch, mit dem SUV auch im Gelände fahren zu können, unterstreichen. Dank 4Matic Allradantrieb nicht grundsätzlich ausgeschlossen, in der Realität aber wohl in 99 Prozent der Fälle nicht vorkommend. Etwas surreal wirken auch die Auspuffblenden – und die Betonung liegt auf Blenden! Schließlich verbergen sich etwa zehn Zentimeter weiter hinter ihnen die echten, stumpfen Auspuffröhrchen. Mission Sportlichkeit nur halb gelungen…

Mercedes-Benz GLA Innenraum Check

Gelingt die Sportlichkeit, die das Äußere suggerieren möchte im Innenraum? Immerhin steht das „S“ in SUV für Sports (Utility Vehicle). Das kommt ganz darauf an! Wenn man das dynamischste Gestühl wählt, kommen durchaus sportliche Gefühle auf, da die Kopfstützen integriert sind und es eine Gurt-Durchführung gibt. Guten Halt gibt es obendrein. Die anderen Sitze, immerhin drei Varianten an der Zahl, fallen eher etwas kommoder aus. Dafür ist der Qualitätseindruck durchaus in Ordnung! Zwar merkt man hier und dort, dass nicht ausschließlich die feinsten Materialien verwendet wurden, aber das stört nicht weiter, da alle Elemente, die man häufig berührt, der Hand schmeicheln.

Der Innenraum präsentiert sich digitalisiert und aufgeräumt!

Der Innenraum präsentiert sich digitalisiert und aufgeräumt!

Ob die Optik dem Auge schmeichelt, ist und bleibt eine Geschmacksfrage. Grundsätzlich erwartet die Passagiere das gewohnte Kompaktwagen-Design, das wir aus A- und B-Klasse kennen. Im besten Fall werden zwei 10,27 Zoll große Displays miteinander verknüpft und verschmelzen fast miteinander. In der Serienausstattung fährt der Mercedes-Benz GLA 250 mit zwei 7-Zoll-Bildschirmen vor. Das MBux genannte Bediensystem ist serienmäßig an Bord. Allerdings ist sonst nicht besonders viel serienmäßig, was Spaß bereitet. Dazu aber im Preis-Kapitel mehr.

Was es jedoch gibt, ist eine ganze Menge an Sicherheit und Assistenzsystemen. Je nach gesetztem Kreuz auf der Optionsliste, fährt der GLA mit einem aktiven Abstands- und Bremsassistenten vor, verfügt über das Pre-Safe System oder steuert automatisch das Fernlicht inklusive Ausblendung des vorausfahrenden Verkehrs. Hinzu kommen ein aktiver Spurhalteassistent sowie das Fahrassistenz-Paket, das eine situationsgerechte Unterstützung bei der Geschwindigkeitsanpassung, beim Lenken, Spurwechseln und bei Kollisionsgefahr bietet. Natürlich fehlen die bekannten Systeme, wie der Totwinkel-Assistent, die 360-Grad-Kamera oder der aktive Park-Assistent nicht. Zusätzlich gibt es einen Waschanlagen-Assistenten, der die Außenspiegel anklappt, den Regensensor unterdrück und die – sofern geordert – 360-Grad-Kamera aktiviert.

Bei den Platzverhältnissen ist und bleibt der Mercedes-Benz GLA 250 ebenfalls sparsam. Vorn fühlt man sich grundsätzlich wohl, was dem luftigen Cockpit zu verdanken ist. In der zweiten Sitzreihe wird es aber spürbar enger. Vor allem, wenn die optional verschiebbare Rückbank nach vorn geschoben wird. Das vergrößert den Kofferraum ein wenig, der in der Normalstellung der Rückbank 435 Liter fasst.

Mercedes-Benz GLA Kofferraum

Mercedes-Benz GLA Kofferraum

Mercedes-Benz GLA Motoren Check

Wir suchen beim neuen Mercedes-Benz GLA 250 nach Sinn und Sinnlichkeit. Kann der 250er hier unterstützen? Immerhin bietet der Vierzylinder Benziner 165 kW/224 PS, die er aus 2.0 Litern Hubraum schöpft. Auf die Straße gebracht wird diese Leistung über ein Achtgang-DCT, also ein Doppelkupplungsgetriebe, das alle Viere antreibt. Unter optimalen Voraussetzungen soll der Mercedes-Benz GLA 250 dann in 6,9 Sekunden auf 100 km/h spurten können. Das Ende des Vortriebs geben die Stuttgarter bei 240 km/h an.

Mercedes-Benz GLA 250 4MATIC Motor

Mercedes-Benz GLA 250 4MATIC Motor

Mercedes-Benz GLA 250 Fahreindruck Check

Unbestritten, der GLA fährt sich gut, richtig gut sogar und mit der Motorisierung kann man das Sport in SUV sogar unterreichen. Das Ganze soll laut NEFZ mit kombinierten 6,7 Liter auf 100 km zu bewerkstelligen sein. Bei vorsichtiger Fahrweise sind eher 7,5 Liter machbar. Kostet man das Potenzial der 350 Nm aus, sind es im normalen Alltag eher 9,5 Liter auf 100 km. Nun: Kraft kommt eben von Kraftstoff. Erwähnenswert: Der Mercedes-Benz GLA 250 erfüllt die Euro 6d ISC-FCM Abgasnorm. Das ist wenig sinnlich, dafür aber sehr sinnvoll. Die gebotene Power wird dem Anspruch der Sinnlichkeit aber durchaus gerecht. Auch, wenn es noch wesentlich stärkere GLA-Varianten gibt. Weder bei der Lenkung, noch beim Fahrwerk und schon gar nicht bei den Bremsen finde ich etwas zu kritisieren.

Die AMG Felgen stehen dem GLA gut, oder?

Die AMG Felgen stehen dem GLA gut, oder?

Mercedes-Benz GLA  Preis Check

Klarheit beim Preis! Denn von Sinnlichkeit kann beim Basispreis von 37.271 Euro keine Rede sein. Erst recht nicht beim Basispreis für den GLA 250 als AMG Line für 44.381 Euro. Und hier sind keine Extras dabei. Das Polarweiß Uni? Kostet 250 Euro extra! Und das geht mit allem, was Spaß bereitet, genauso weiter. Das MBux etwa, das in verschiedenen Varianten erhältlich ist: Für das High-End-Paket kommen über 3.500 Euro zusammen, das Advanced MBUX kostet 1.541 Euro und fünf Cent.

Viel zu schade fürs Gelände!

Viel zu schade fürs Gelände!

Wollen wir weitermachen? Ja? OK! Das Leder-Paket steht mit 1.200 Euro auf dem Zettel, das Park-Paket mit 360-Grad-Kamera für 1.600 Euro, Wagenumfänge in Schwarz – also das Night-Paket – für 505,75 Euro. Bestellen kann man außerdem einen größeren Tank, der überschaubare 51 Liter fasst, dafür aber nur 60 Euro kostet. Darf es ein Rollo für das Ablagefach in der Mittelkonsole sein? Das macht 42 Euro! Außerdem sollte es unbedingt ein Soundsystem sein, da die Serienlautsprecher bei Mercedes oftmals enttäuschend sind. Das Advanced-System bekommt man für knapp 300 Euro, das Burmester-System für rund 800 Euro – machen!

Es treibt einem fast die Tränen in die Augen, wenn man sieht, wofür die Schwaben – nicht umsonst als sparsame Leute bekannt – Geld verlangen. Selbst das Tire-Fit kostet 60 Euro extra! Und so kommt man, mit weiteren Extras, auf einen Testwagenpreis von 66.813 Euro! Kann mich mal jemand kneifen, ich glaub´ ich träume…

Mercedes-Benz GLA Zielgruppencheck und Fazit

Die Einstiegsgröße in die SUV Welt von Mercedes-Benz hinterlässt einen positiven Eindruck!

Sinnliche Klarheit! Das ist die Maxime beim Mercedes-Benz-Design. Äußerlich darf man den GLA, besonders als AMG Line, durchaus sinnlich finden. Innen ist das kleine SUV hingegen sehr klar – das passt also. Wählt man den Mercedes-Benz GLA 250 mit seinen 224 PS, bekommt man den GTI unter den kleinen SUVs. Er kann also durchaus Spaß machen, der kleine Schwabe. Vor seinen Kontrahenten vom Schlage eines Audi Q3, BMW X1 oder Volvo XC40 muss er sich also nicht verstecken. Mit seinen happigen Preisen, dürfte der GLA hingegen für ungläubig aufgerissene Augen sorgen. Und kann bitte jemand die Controller vom Erstellen der Preislisten abziehen? Centbeträge sind bei einem preislichen Schwergewicht etwas zu klar.

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