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2020 Jaguar F-Type R Fahrbericht | Test | Review

Heute: Geschichten aus der Tierwelt! Wir wollen uns ein ganz besonderes Raubtier ansehen – einen Jaguar! Und was für einen! Der Jaguar ist in der Naturwelt die Raubkatze, die den stärksten Kiefer hat und sogar durch Knochen beißen kann. Hat der Jaguar F-Type R auch das Zeug, sich in Mark und Bein zu fressen? Wir nehmen das atemberaubende Wildtier in den Drive Check und schauen, ob wir ohne Blessuren mit dem Kätzchen tanzen können.

Jaguar F-Type R Fahrbericht

Jaguar F-Type R Fahrbericht

Jaguar F-Type R Design Check

Eine Frage, die wir zuerst klären sollten, bevor wir uns mit den Krallen der Raubkatze auseinandersetzen: Woher stammt eigentlich der Name „Jaguar“? Ursprünglich hieß der Name „yaguar“ und stammt aus dem Indianischen. Die Bedeutung kann man in etwa so übersetzen: „Räuber, der seine Beute mit einem einzigen Sprung erlegt“. Und der Jaguar ist nicht nur in der Wildnis auf dem Sprung! Ein Blick auf das knallgelbe Blechkleid genügt, um zu wissen, dass es dieser Brite faustdick hinter den Kotflügeln hat und seine Mitstreiter mit einem gezielten Sprung nach vorne alt aussehen lässt!

Gezeichnet wurde der Sportler ursprünglich von Ian Callum, der so hinreißende Modelle, wie den Aston Martin DB9, den Jaguar XK von 2005 oder auch den Ford Puma zeichnete. Allen gemein ist, dass sie quasi aus drei Linien bestehen, die das Erscheinungsbild prägen. Das muss man gar nicht weiter erklären: Ein Blick auf das Blechkleid des Jaguar F-Type R mit dem Wissen um die drei Linien genügt, um sich in Callums Design-Kunst zu verlieben. Die drei entscheidenden Linien findet man dann automatisch.

Und so lassen wir die Fotos vom Jaguar F-Type R am besten für sich sprechen und gehen nur auf ein paar Details ein. So etwa auf den neuen Kühlergrill, der mit groben Waben vergittert ist und die angriffslustige Raubkatze in seiner Mitte ausnimmt. Besonders prägnant an der Front: die neuen Scheinwerfer mit ihrem äußerst grimmig zusammengekniffenen Blick. Beim Testwagen wurden Matrix-LED-Scheinwerfer verbaut, die den Gegenverkehr und vorausfahrende Fahrzeuge ausblenden können. Serienmäßig fährt der neue F-Type bereits mit statischen LED-Scheinwerfern vor. Wer genau hinsieht, könnte beim Facelift Anklänge des aktuellen Ford Mustang oder des Maserati GranTurismo erkennen.

Seitlich stechen die neuen 18 bis 20 Zoll großen Felgen ins Auge. Der Testwagen fuhr natürlich mit großem Räderwerk vor und trug vorne 265/35er Pfoten, während an der Hinterhand 305/30er für Vortrieb sorgen. Je nach Bedarf kann man die bereits bissige Stahlbremse gegen eine Carbon-Keramik-Bremse aufrüsten.

Am Heck künden vier Auspuffrohre vom Potenzial des Jaguar F-Type R. Doch die Endrohre sind gar nicht das, worauf man zuerst achtet, sondern vielmehr die Rückleuchten, die man wohl häufiger zu Gesicht bekommt. Mit ihrer neuen Grafik wirkt die Heckpartie noch souveräner und gleichzeitig moderner. Haben wir noch etwas vergessen? Ach ja, die Abmessungen! Die Raubkatze streckt sich auf 4,47 m Länge, wirkt mit ihrem Aufbau von gerade einmal 1,31 m aber schön flach. Dank einer Breite von 2,04 m inklusive Außenspiegeln, ergibt sich ein besonders muskulöses Bild!

Jaguar F-Type R Innenraum Check

Der Innenraum Check fällt beim Jaguar F-Type R etwas kürzer aus – allein schon, weil der Check der zweiten Sitzreihe entfällt. Nehmen wir also auf dem Fahrersitz Platz, der ohnehin der bessere der beiden Plätze ist. Alles lässt sich gut einstellen und Fahrer bis zu etwa 1,95 m können recht bequem sitzen. Das Lenkrad lässt sich elektrisch verstellen und bietet die wichtigsten Elemente: Griffmulden und Schaltwippen! Dazu kommen „Nebensächlichkeiten“, wie die Tasten für das Infotainment auf der linken Lenkradspeiche oder der Tempomat auf der rechten. Nutzt man den F-Type auch im Winter, wird man die Lenkradheizung zu schätzen lernen.

Jaguar F-Type R Innenraum

Jaguar F-Type R Innenraum

Hinter dem Lenkrad kommt ein 12,1 Zoll-Display als Instrumenten-Panel zum Einsatz. Die wichtigsten Infos hat man dabei immer im Blick: die Drehzahl und das Tempo! Und auf letzteres sollte man besonders gut achten, da man mit dem Jaguar F-Type R eigentlich immer zu schnell ist. Das fällt erst auf, wenn man den guten Seitenhalt der Sportsitze nutzt. Oder, wenn der Beifahrer den Griff in der Mittelkonsole zum Festhalten nutzt, der den Fahrerplatz gleichzeitig Monocoque-artig einrahmt.

Kommen wir kurz zu den Ablagen – ein Metier, das nicht unbedingt zu Jaguars Stärken zählt. So gibt es ein recht überschaubares Handschuhfach, kleine Türtaschen sowie zwei Cupholder in der Mittelkonsole und eine Mittelarmlehne mit kleinem Fach. Hier verstecken sich auch die USB-Anschlüsse fürs Smartphone, wobei jenes nicht zu groß sein darf, da das Fach recht klein ist. Überhaupt ist klein das richtige Stichwort: Wie es sich für einen Sportwagen gehört, ist der Innenraum eine kleine, intime Höhle. Dagegen hilft das große Glasdach ein wenig und macht den Innenraum schön hell.

Ein kurzer Ausflug in Richtung Infotainment: Mit der Überarbeitung gefällt die Radio-Navi-Einheit mit einer guten Bedienbarkeit. So gibt es auf dem Startbildschirm drei Kacheln: links die Navigation, mittig die Medien und recht das Menü für das Telefon. Außerdem kann man hin und her wischen, Menüs mit eigenen Kacheln anpassen und den aktuellen Konnektivitätsstand genießen. Über die Home-Taste kommt man immer wieder auf den Startbildschirm zurück. Natürlich wird auf dem Display auch das Bild der Kameras dargestellt. Jene könnten aber tatsächlich etwas schärfer sein. Und wenn das Licht ungünstig auf das Display scheint, kann man die Ablesbarkeit ad acta legen, da der Bildschirm etwas geneigt ist.

Bevor wir uns dem Herzstück, dem V8, widmen, checken wir noch schnell den Kofferraum. 310 Liter Kofferraumvolumen stehen bereit und damit rund 30 Liter mehr, als beispielsweise ein Skoda Skala G-Tec in der Basis bietet. Die Heckklappe öffnet natürlich elektrisch. Und wer die Hutablage entfernt, kann noch etwas mehr einladen. Was auffällt, ist dass der Kofferraum für einen Sportwagen üppig ausfällt und gut nutzbar ist. Selbst Verzurrösen für die obligatorische Weinkiste stehen bereit. Die Zuladung von maximal 332 kg sollte man dabei aber stets im Auge behalten.

Jaguar F-Type R Motoren Check

Jetzt aber! Wir öffnen die Motorhaube, die nach vorn anschlägt und finden… ja was finden wir eigentlich vor? Vom 5.0 Liter V8 mit Kompressor sieht man nichts – selbst, wenn man die Motorabdeckung abnimmt. Irgendwo unter der Kapselung versteckt sich aber ein stimmgewaltiger Achtzylinder, der per Kompressor zwangsbeatmet wird und eine Leistung von 423kW/575 PS bietet. Das maximale Drehmoment liegt bei 700 Nm und befähigt die Raubkatze dazu, aus dem Stand in 3,7 Sekunden auf 100 km/h zu spurten. Der Allradantrieb tut sein Übriges. Und dieser Wert ist wirklich beachtlich, wenn man bedenkt, dass der Jaguar F-Type R ein Leergewicht von 1,8 Tonnen bewegen muss.

Lässt man den rechten Fuß mit Nachdruck auf dem Gaspedal stehen, rennt der Jag bis zu 300 km/h Topspeed. Der Normverbrauch von 11 Litern/100km ist nicht nur dann reine Makulatur. Schließlich möchte man das Potenzial der 575 heißblütigen Pferde unter der langen Haube bei einem Sportwagen nutzen, oder? Und je höher der Fahrspaß, desto höher auch der Verbrauch. Immerhin fasst der Tank 70 Liter, sodass der Ritt nicht von kurzer Dauer ist.

Jaguar F-Type R Fahreindruck Check

Thema Fahrspaß: Der Jaguar F-Type R ist ein echter Freudenbringer. Das Fahrwerk ist auf den Punkt, beherrscht von Sport bis Komfort eigentlich alles und wird von einer direkten Lenkung ergänzt, deren Rückmeldung in Ordnung geht. Leichtgängig ist sie indes nicht.

Geht es um die Negativ-Beschleunigung, muss sich der Jag auch mit der Stahlbremse nicht verstecken, da sie zubeißt, als gäbe es kein Morgen. Trotzdem ist sie feinfühlig zu dosieren. Gut, schließlich ist Leistungsschwäche ein Wort, das es im Wortschatz des Jaguar F-Type R nicht gibt. Beim Beschleunigen bekommt man Pulsrasen, das Herz pocht, der V8 bollert prächtig aus seinen vier Endrohren und erzeugt regelmäßig Gänsehaut.

Wie ein Dinosaurier kämpft der F-Type R um das Überleben!

Wie ein Dinosaurier kämpft der F-Type R um das Überleben!

Die 8-Gang-Automatik von ZF sortiert dabei stets passend die Gänge und überträgt die Kraft auf alle Viere. Die Auslegung und heckbetont, macht den Briten bei Bedarf zum Quertreiber – jedoch stets beherrschbar. Was man – gerade am Kurveneingang – etwas merkt, ist tatsächlich das Gewicht. Einmal in die Kurve geworfen, ist das aber vergessen.

Jaguar F-Type R Preis Check

Kommen wir zum schwierigsten Thema, dem Preis Check. Überraschung: Der Jaguar F-Type R ist nicht günstig! Bleiben wir aber trotzdem ernst und hantieren etwas mit Zahlen. So startet das britische Kraftpaket bei gut 125.000 Euro. Wer das effektheischende „Sorrento Gelb“ haben möchte, muss 5.400 Euro addieren. Der Speziallack „Icy White“ kommt sogar auf erschreckende 8.160 Euro!

Gelb und sehr schnell!

Gelb und sehr schnell!

Damit aber nicht genug, lässt sich die Basisausstattung natürlich noch weiter ergänzen – gegen Aufpreis versteht sich. Da wäre etwas das Exterieur-Paket in schwarz, das Panoramadach, eine höherwertige Lederausstattung mit erweiterten Umfängen, ein Velours-Dachhimmel, Carbon-Zierleisten für den Innenraum, das sündhaft teure Meridian Surround-Soundsystem, ein paar Assistenten oder weiteres Zubehör, um das Exterieur zu individualisieren. Macht unter dem Strich über 140.000 Euro. Aber solch ein Traumwagen kostet nun mal Geld.

Jaguar F-Type R Zielgruppencheck und Fazit

Der Jaguar F-Type R im R+V24 Drive Check

Der Jaguar F-Type R im R+V24 Drive Check

Wer ein temporäres Gesichtslifting möchte, sobald man das rechte Pedal gen Teppich drückt, wer Gänsehaut-erzeugenden V8 Hard Rock braucht und dabei trotzdem stilvoll sein möchte, der sollte sich den Jaguar F-Type R einmal genauer ansehen. Wenn Geld nur eine untergeordnete Rolle spielt, der Porsche 911 zu gewöhnlich ist und der Tankwart mit Vornamen bekannt ist, dann ist dieser Jag genau das Richtige. Schnell, schön, spektakulär und selten im Straßenbild. Prädikat: Der Jaguar F-Type R geht ins Mark und in die Hirnrinde. Man vergisst ihn vermutlich genauso wenig, wie den Überfall einer echten Raubkatze.

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