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2021 CUPRA Formentor Fahrbericht | Test | Review

Cupra Formentor? War Seat bislang die emotionale, sportliche Marke im Volkswagen Konzern, hat sich das jüngst ein wenig geändert. Cupra heißen die feurigen Derivate nun! Dabei war Cupra bislang immer ein Namenszusatz für beispielsweise den Seat Leon und betitelte die sportlichen Ausbaustufen. Doch nun ist Cupra eine eigenständige Marke. Und was braucht eine solche? Genau: eigenständige Modelle! Eines davon schauen wir uns im Drive Check genauer an: Den Cupra Formentor!

2021 Cupra Formentor Fahrbericht

2021 Cupra Formentor Fahrbericht

Cupra Formentor Design Check

Formentor, im Norden von Mallorca – nein, sogar der nördlichste Punkt der Balearen-Insel – ist natürlich der Namensgeber für den Cupra Formentor. Dort konnten wir das neue SUV natürlich nicht fahren – leider! – da die aktuelle Pandemie dies nicht ermöglicht. Lassen wir uns davon einschränken? Keineswegs! Wir sind dem Cupra Formentor im schönen München auf den Grund gegangen und haben erfahren, dass auch dieses Fahrzeug auf dem MQB, dem modularen Querbaukasten, basiert.

Entsprechend fallen die Abmessungen aus: Der Cupra Formentor misst 4,45 m in der Länge, mit Außenspiegeln etwa 2,02 m in der Breit und 1,51 m in der Höhe – typische Kompakt-SUV-Merkmale eben. Der Radstand von 2,68 m verspricht dafür aber angenehme Platzverhältnisse im Inneren, doch dazu im Innenraum Check mehr.

Blicken wir dem sportlichen Spanier ins Gesicht. Hier stechen besonders die LED-Scheinwerfer mit prägnant-aggressiver Tagfahrlicht-Grafik ins Auge. Die Motorhaube zieht sich ein wenig über sie und erzeugt mit ihren Sicken und Kanten ein spannendes Lichtspiel. Auffällig geben sich auch die breiten Lufteinlässe und der – für heutige Verhältnisse – nicht überdimensionierte Kühlergrill mit Waben-Gittern. Mittig wurde natürlich kein Seat- sondern das Cupra-Logo angebracht. Es ist mit seiner Farbe (Bronze) nicht alltäglich und dürfte dafür sorgen, dass man in Zukunft Herrschaften in gebückter Haltung vor dem Cupra Formentor erblicken dürfte, die versuchen zu erraten, um welche Marke es sich handelt.

Sportlich geht es an der Seite weiter. Wenig, dafür gekonnt gesetzte Linien lassen das Kompakt-SUV dynamisch, aber gleichzeitig zeitlos wirken. Die großen Radhäuser sind Segment-üblich und beherbergen nicht nur Reifen im Format 245/40 R19, sondern auch eine optionale 18-Zoll-Brembo-Bremse. Am Heck zeigt sich eine ausgeprägte Schulterlinie, die vom Schwung der hinteren Kotflügel eingeleitet wird. In sie münden die Rückleuchten.

Spannendes Element: Die Rückleuchten sind über ein Leuchtenband miteinander verbunden und erinnern so an den Seat Leon oder Tarraco. Ein heutzutage ebenfalls typisches Element ist die kleine Heckscheibe. Sie wird von einem großen Spoiler überdacht, während im Untergeschoss ein angedeuteter Diffusor eine Vier-Rohr-Auspuffanlage aufnimmt. Lobenswert: Alle vier Rohre sind echt und keine Attrappen – das ist heute auch nicht mehr selbstverständlich.

Cupra Formentor Innenraum Check

Innen findet man ein abgeflachtes Lenkrad vor – passend zum sportlichen Anspruch der Marke Cupra. Es lässt sich großzügig verstellen und gibt damit den Blick auf das 10,25 Zoll große, digitale Instrumentenpanel frei. Hier lassen sich verschiedene Anzeigen über die View-Taste einstellen – ganz nach persönlichem Geschmack. Bleiben wir beim Lenkrad: Über die linke Lenkradspeiche bedient man die Assistenten und die Lautstärke, auf der rechten Seite finden sich die Tasten für die Multimedia-Steuerung sowie für die Lenkradheizung – dort, wo man die Taste auch erwarten würde! Hinzu kommen zwei weitere Buttons: Einer für Motorstart und -aus sowie die Cupra-Taste. Hier lässt sich der besonders scharfe Cupra-Modus aktivieren, wenn man mal die „Kuh fliegen lassen“ möchte.

Sollen wir 2021 mehr Sport wagen?

Sollen wir 2021 mehr Sport wagen?

Ansonsten gibt es kaum Tasten im Innenraum. Genauso fehlt eine Gurthöhenverstellung – schade! Aber zurück zur Bedienung: Nahezu alles wird über das große 12-Zoll-Infotainment gesteuert, das leicht dem Fahrer zugeneigt ist. Die Bedienung erfolgt per Touch. Verliert man sich in einem der Untermenüs, kommt man mit der Home-Taste immer wieder zurück zum Startbildschirm. Selbst die Feineinstellung der Klimaanlage erfolgt über den Touchscreen – nicht unbedingt praktisch. Dasselbe gilt für die drei Schieberegler unterhalb des Bildschirms, die für die Fahrer- und Beifahrertemperatur sowie für die Lautstärkereglung zuständig sind. Das geht intuitiver.

Beim Ablagen-Check muss sich der Cupra Formentor nicht verstecken, glänzt aber auch nicht mit Übermaß. So findet man im vorderen Mitteltunnel ein induktives Ladefach mit zwei USB-C-Anschlüssen, ein geräumiges Handschuhfach und zwei Dosenhalter hinter dem kleinen Schaltstummel. Jener ersetzt den typischen, massiven Wahlhebel, den man sonst kennt. Um das Hebelchen herum wurden noch zwei kleinere Krümel-Fächer positioniert, die es mit dem Fahrzeugschlüssel und einem Kugelschreiber aufnehmen.

Beim Raumangebot ergibt sich ein ähnliches Bild: Gut, aber nicht überschwänglich. So gehen die Platzverhältnisse vorn wie hinten völlig in Ordnung. Zu dritt wird es hinten aber eng – das sollte man vermeiden. Schön sind hingegen der Sitzkomfort der Vordersitze sowie deren Seitenhalt. Sie verfügen über integrierte Kopfstützen, während die hinteren Kopfstützen ausziehbar sind. Hier steht genügen Kopffreiheit bereit, wenn man nicht gerade ein Sitzriese ist. Gleiches gilt für die Knie- und Bewegungsfreiheit der Füße. Gut: Isofixhalterungen gibt es hinten links und rechts sowie auf dem Beifahrersitz. Hinzu kommt ein Einklemmschutz bei den Fensterhebern.

Das Platzangebot im Kofferraum geht in Ordnung!

Das Platzangebot im Kofferraum geht in Ordnung!

Nicht vergessen wollen wir natürlich den Kofferraum des Cupra Formentor. Dieser misst 420 bis maximal 1.475 Liter – etwas knapp, aber auch das sollte im Alltag reichen. Die Rücksitzlehnen lassen sich im Verhältnis von 40:60 umklappen und bieten darüber hinaus eine Durchreiche in der Mitte. Clever: die 230V-Steckdose, die mit maximal 150 Watt belastet werden kann.

Cupra Formentor Motoren Check

Blicken wir unter die kantige Motorhaube. Was zuerst auffällt: es gibt keinen Haubenlifter. Schade außerdem: Bei der sportlichen Marke darf es doch etwas mehr als eine Motorabdeckung in schnödem, schwarzem Kunststoff sein, oder? Wie dem auch sei: Unter der Abdeckung verbirgt sich ein 2.0 TSI Vierzylinder mit 16 Ventilen – ein alter Bekannter, der auf den Namen EA888 hört und im Konzern weit verbreitet ist.

EA888 - ein guter alter Bekannter der mit Leistungsstärke überzeugt!

EA888 – ein guter alter Bekannter der mit Leistungsstärke überzeugt!

Mit ihm geht es in 4,9 Sekunden auf 100 km/h und – bei Bedarf – weiter zur abgeriegelten Grenze von 250 km/h. Möglich machen das 228 kW/310 PS und 400 Nm, die bei 2.000 bis 5.450 U/min anstehen. An alle Viere wird das Ganze über ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe weitergeleitet. Damit ist der Cupra Formentor die aktuell leistungsstärkste Variante. Folgen sollen weitere Benziner, Diesel und PHEVs – also Plug-In Hybride. Mit Leistung möchte man bei Cupra natürlich nicht geizen. Mit den Verbräuchen schon: 7,7 Liter soll der Cupra Formentor gemäß NEFZ verbrennen. 8,2-9 Liter sind es laut WLTP und das entspricht, nicht zuletzt aufgrund des Leergewichts von 1.644 kg, eher der Realität.

Cupra Formentor Fahreindruck Check

In der Realität ist der Cupra Formentor aber auch ein äußert fahraktives SUV. Dank McPherson Federbeinen vorn, einer Multilenker-Hinterachse und verstellbaren Feder- und Dämpferraten schafft der Spanier den Spagat zwischen komfortabel und sportlich – je nach Wunsch und Situation. Da macht es wirklich Spaß, Kurven flotter zu nehmen und auf der nächsten Geraden das Gaspedal gen Boden zu drücken. Die 310 Pferde schieben ordentlich, der Allradantrieb 4Drive sorgt für entsprechende Traktion. Mit der großen Brembo-Bremse herrscht zudem immer ein Sicherheitsgefühl beim Fahrer, das vom tollen Druckpunkt und der feinen Dosierbarkeit herrührt.

Der CUPRA Formentor im R+V24 Drive Check

Der CUPRA Formentor im R+V24 Drive Check

Was erstaunt, ist die Ruhe an Bord. Zumindest, wenn man den Cupra-Modus deaktiviert lässt. Schaltet man ihn ein, wird der Sound kerniger – Soundgenerator sei Dank. Mit an Bord sind natürlich moderne Assistenten. So zum Beispiel die vorrausschauende ACC (Adaptive Cruise Control), die Navigations- und GPS-Daten einbezieht und so die Geschwindigkeit für beispielsweise Kreisverkehre etc. anpassen kann.

Cupra Formentor Preis Check

Preislich startet die Reise bei 43.950 Euro. Dieser Grundpreis lässt sich natürlich schnell in Richtung der 50.000 Euro-Marke pushen. Nach oben wird aber auch hier noch Spielraum sein. Vor allem, wenn eine noch stärkere Variante kommt…

...da geht noch mehr, es soll auch ein 5-Zylinder Motor im Cupra Formentor einziehen!

…da geht noch mehr, es soll auch ein 5-Zylinder Motor im Cupra Formentor einziehen!

Cupra Formentor Zielgruppencheck und Fazit

An wen richtet sich der Cupra Formentor? Vor allem, wenn man den Cupra Ateca mit seinem 300 PS starken 2.0 TSI berücksichtigt. Warum sollte man nicht den Ateca nehmen? Zum einen startet der Cupra Formentor rund 1.500 Euro günstiger. Zum anderen ist er das frischere Auto, das gerade erst auf den Markt kommt und noch etwas mehr Feinschliff mitbringt. Außerdem erwartet man eine größere Auswahl an Aggregaten für den Formentor, was ihn individueller für die Wünsche des Kunden macht. Nicht zuletzt dürfte die nochmals emotionalere Optik ein entscheidendes Kaufkriterium sein. Am Ende entscheidet aber, wie immer, der Geschmack.

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