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Autobahnauffahrt – was gilt es beim Auffahren auf die Autobahn zu beachten?

Beim Auffahren auf die Autobahn kommt es nicht selten zu Unfällen, weil Autofahrer die korrekten Verhaltensweisen nicht kennen oder befolgen. Mal fahren Fahrzeuge zu schnell und achten dabei nicht auf andere, mal zu langsam, sodass Verkehrsteilnehmer hektisch bremsen oder sogar Ausweichmanöver durchführen müssen.

Warum kommt es überhaupt beim Einfädeln auf der Autobahn vermehrt zu Unfällen?

Der Einfädelungsstreifen ist ein Teil der Autobahnauffahrt. Dieser ist in der Regel etwa 250 Meter lang, verläuft parallel zur rechten Spur und mündet schließlich in sie ein. Der Streifen ermöglicht es den auffahrenden Fahrzeugen, zu beschleunigen, damit diese sich nahtlos in den fließenden Verkehr auf den anderen Fahrbahnen einfädeln können. Im besten Fall haben Autofahrer am Ende der Beschleunigungsspur das Tempo des fließenden Verkehrs erreicht, um ohne größere Schwierigkeiten in die Autobahn einfahren zu können.

Funktioniert dies nicht, kann es zu Staus und im schlimmsten Fall zu Unfällen kommen.

Vermeiden Sie daher beim Auffahren auf die Autobahn unbedingt diese Fehler:

Fehler 1: Zu langsam einfädeln

Falls Sie unsicher sind und sich zu langsam oder zu zögerlich nach dem Reißverschlussverfahren einfädeln, stellt das eine Gefahr für andere Autofahrer dar. Sie zwingen diese nämlich dazu, stark zu bremsen oder leichtsinnige Ausweichmanöver auszuführen.

 

Fehler 2: Aus dem Stand auf die Autobahn auffahren

Dieses Manöver ist besonders gefährlich. Sie müssen – wenn Sie halten – auf eine sehr große Lücke warten und dann aus dem Stand beschleunigen. Das Risiko für schwere Auffahrunfälle ist in diesem Fall besonders groß.

Wer haftet, wenn es beim Verlassen der Autobahnzufahrt zum Unfall kommt?

Sollten Sie einmal in einen Unfall verwickelt sein, ist es gut die allgemeine Rechtslage bei Einfädelungsunfällen zu kennen.

Autobahn

Die StVO auf Autobahnen lässt im Grunde wenig Spielraum für Missverständnisse. Derjenige, der sich auf dem Beschleunigungsstreifen befindet, hat die Vorfahrt der Fahrzeuge zu achten, die bereits auf der Autobahn fahren. Falls Sie sich einfädeln möchten, können Sie nicht von anderen Kraftfahrern verlangen, dass diese auf die linke Autobahnspur wechseln, um Ihnen Platz zu machen. Auf der Autobahnauffahrt gilt es daher, laut StVO, die Geschwindigkeit der anderen Fahrer zu beachten. Sie sind schlicht gezwungen, auf eine Lücke zu warten, die groß genug ist, dass Sie gefahrlos auffahren können. Druck auf die anderen Fahrzeuge dürfen Sie in keiner Weise ausüben.

Nichtsdestotrotz gilt für alle Kfz, die sich auf der Autobahn befinden, die Sorgfaltspflicht. Der eigene Fahrstil sowie die eigene Geschwindigkeit müssen also an die jeweilige Situation angepasst sein. Diese grundsätzliche Regel beim Autobahnfahren findet auch vor Gericht Anwendung. So betonte das Oberlandesgericht München im Jahre 2009, dass die Vorfahrt auf der Autobahn nicht „als Freifahrtschein“ zu verstehen sei. Autofahrer, die einfahrenden Fahrzeuge rücksichtslos und mit überhöhter Geschwindigkeit auffahren, haften überwiegend für Schäden, die dabei auftreten. In solchen Fällen ist eine Haftungsverteilung vorgesehen, die zu einem Drittel zu Lasten des Vorfahrtsberechtigten geht.

 

Dies ändert allerdings nichts daran, dass bei einem Auffahrunfall grundsätzlich derjenige haftet, der die Spur gewechselt hat. Beim Fahrstreifenwechsel gilt nämlich eine besondere Beweisregel. Der sogenannte Beweis des ersten Anscheins. Diese wurde als Beweiserleichterung bei Schadensersatzfällen entwickelt. Konkret besagt die Regel, dass bei solchen Auffahrunfällen stets erst einmal vermutet wird, dass derjenige den Unfall verursacht hat, der die Spur gewechselt hat. Der Anscheinsbeweis geht also zu Lasten des Spurwechslers. Dem Auffahrenden gesteht das Gericht höchstens noch eine Teilschuld zu. Den Anscheinsbeweis entkräften, können Sie beispielsweise, indem Sie einen Zeugen hinzuziehen, der zu Ihren Gunsten aussagt.

Wie fahren Sie richtig auf die Autobahn auf?

Beim Auffahren auf die Autobahn sollten Sie weder hektisch, noch unentschlossen oder zu energisch vorgehen. Stattdessen rufen Sie für sich schrittweise die wichtigsten Verhaltensregeln ab:

Schritt 1: Zunächst fahren Sie langsam auf die Beschleunigungsspur und beobachten die Verkehrslage. Ist der rechte Fahrstreifen frei oder entsteht eine große Lücke, geben Sie Gas und fahren auf die Autobahn auf. Nutzen Sie den Beschleunigungsstreifen dabei möglichst voll aus, bis dieser in den Standstreifen übergeht.

Schritt 2: Bevor Sie auf die Autobahn auffahren, setzen Sie den linken Blinker, um anzuzeigen, dass Sie vom Beschleunigungsstreifen auf die Autobahn wechseln wollen. Dann scheren Sie langsam ein und halten das Lenkrad fest und stabil. Den nachfolgenden Verkehr sollten Sie immer im Auge behalten. Es ist nämlich immer möglich, dass sich ein Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit „aus dem Nichts“ nähert.

Sie sollten sich besonders bei Glatteis oder bei Aquaplaning richtig verhalten und sehr große Vorsicht walten lassen.

Schritt 3: Versuchen Sie so schnell wie möglich die Geschwindigkeit der Fahrzeuge links von Ihnen zu erreichen. Diese liegt meist bei etwa 120 km/h. Auch für Autos, die sich auf der Autobahnauffahrt befinden, gilt die jeweilige Geschwindigkeitsbegrenzung.

70 kmh Schild

Sind Sie zu langsam, stellen Sie für den nachfolgenden Verkehr eine Gefahr dar. Drücken Sie also ruhig ein bisschen auf die Tube.

Schritt 4: Wechseln Sie nach dem Auffahren nicht sofort auf die Überholspur. Fädeln Sie sich erst sicher auf der rechten Fahrspur ein, indem Sie beschleunigen, bis Sie die Geschwindigkeit des fließenden Verkehrs erreicht haben. Erst danach sollten Sie auf die Überholspur wechseln. Orientieren Sie sich aber vorher und blinken Sie erneut, damit andere Autofahrer nicht überrascht reagieren.

Die perfekte Fahrweise existiert bekanntlich nicht und Unfälle lassen sich nicht immer vermeiden. Trotzdem ist es in jedem Falle sinnvoll, sich an die allgemeinen Regeln für das Fahren auf der Autobahn zu halten und sich für die Autobahneinfahrt einen Leitfaden zurechtzulegen. Dieser hilft Ihnen, auch in stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren.