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Mercedes-Benz S 500 4Matic Fahrbericht | Test | Review

Der König ist tot, lang lebe der König! Dieser Satz könnte wohl kaum besser zum Release der neuen Generation der Mercedes-Benz S-Klasse passen – jedes Mal aufs Neue! Und nun ist es wieder soweit: Es heißt, um den alten Mercedes-Benz-Claim aufzuwärmen: „Das Beste oder nichts“. Hat das neue Topmodell, der Mercedes-Benz S 500 4Matic, das Zeug zum besten Auto der Welt? Genau das wollen wir im Drive Check herausfinden!

Mercedes-Benz S 500 4Matic Fahrbericht von vorne

Mercedes-Benz S 500 4Matic Fahrbericht

Mercedes-Benz S 500 4Matic Design Check

Mercedes-Benz S 500 4Matic Test von vorne Kühlergrill

Mercedes-Benz S 500 4Matic Test

Einmal vorab gefragt: Hat bei diesem Auto jemand eine Design-Revolution erwartet? Gut, wir auch nicht. Mercedes wagt bei der S-Klasse nicht den großen Schritt, den BMW im Jahr 2001 mit dem 7er wagte, als man Chris Bangle freie Hand lies und einen komplett unerwarteten Buckelwal auf die Autowelt losließ. Das Gegenteil ist beim Mercedes-Benz S 500 4Matic der Fall: Sinnliche Klarheit – die Design-Maxime der Stuttgarter – zieht sich vom Stern auf der Haube, bis zur Endrohrblende. Die Formensprache ist dabei so klar und formvollendet, dass man der Luxuslimousine zwar ansieht, dass sie nicht gerade klein ist, man ihr 5,29 m Außenlänge aber auch nicht zugetraut hätte. Japp, hier steht die Langeversion, die elf Zentimeter länger daherkommt, als die Basis.

Und da wir gerade schon bei den Abmessungen sind: Der neue Schwaben-Star ist 1,95 m breit, 1,50 m hoch und misst einen fürstlichen Radstand von 3,22 m.
Und sonst? Man erkennt auf den ersten Blick, dass man es hier mit einem Mercedes-Benz zu tun hat. Der stattliche Kühlergrill, der Stern auf der Haube – natürlich! – und die ruhigen, aber bestimmten Formen sind stilprägend. Hier eine klare Kante, etwa unterhalb der Fensterlinie, ein ausgestelltes Radhaus vorn und ein sanft abfallendes Heck hinten, das ein wenig mit dem Mercedes-Benz CSL kokettiert – das sind die Zutaten, die die neue S-Klasse modern, aber dennoch klassisch wirken lassen. Apropos modern: Haben Sie die Türgriffe gefunden? Es ist vielleicht nicht das intuitivste System, aber die Öffner fahren elektrisch aus, wenn sie benötigt werden. Klappt nach ein paar Versuchen gut und verbessert den Geräuschkomfort bei höheren Tempi, da Luftverwirbelungen unterbunden werden.

Beim restlichen Design empfehlen wir einfach einen Blick auf unsere Bildergalerie. Die S-Klasse ist nicht aufsehenerregend, sondern einfach eine Luxuslimousine, die Souveränität ausstrahlt. Stellen Sie sich jetzt noch vor, der Wagen wäre in Grau lackiert – man würde ihn noch weniger als Staatskarosse wahrnehmen. Mehr Understatement geht wohl kaum.

Mercedes-Benz S 500 4Matic Innenraum Check

Die Frage, ob der Innenraum genauso viel Understatement versprüht, wird beim Einsteigen sofort beantwortet. Das Interieur, gleichzeitig modern und digital aber dennoch soooooo unglaublich flauschig-komfortabel, lässt keinen Zweifel an der Fahrzeugklasse. Mit dem Mercedes-Benz S 500 4Matic ist man im automobilen Autohaus angekommen. Punkt, aus!

Mercedes-Benz S 500 4Matic Review Innenraum

Mercedes-Benz S 500 4Matic Review

Man lässt sich also auf die vielfach einstellbaren, gesteppten Ledersessel nieder, bettet sein Haupt in eine weiche Kopfstütze, dass man neidisch wird, weil man diesen Komfort gerne zu Hause im Bett hätte und genießt das Ambiente. Man fühlt sich wie in einer modernen Lounge: Hochglänzende Flächen aus metallischem Gewebe wetteifern mit polierten Flächen hier und glänzenden Elementen dort um die Gunst der Insassen. Hinzu gesellen sich Instrumente mit 3D-Tiefenwinkel. Das wirkt zunächst befremdlich, aber man gewöhnt sich daran.

Mit Infotainment hat der Bereich in der Mittelkonsole obendrein nichts mehr zu Tun. „Brücke an Captain – zeig mir die Klimasteuerung auf dem großen Bildschirm,“ – das passt eher! Über den 12,8-Zoll-Bildschirm, werden alle Funktionen per Touch gesteuert.

Natürlich: Das lenkt etwas vom Verkehrsgeschehen ab. Und ja, klassische Tasten und Regler wären in Sachen Bedienbarkeit sicherlich sinnvoller. Gibt es aber nicht und wird es auch in Zukunft nicht geben – daran müssen wir uns gewöhnen. Wenig Gewöhnung bedarf hingegen der gut zur Hand liegende Bildschirm des Infotainments und erinnert an jenen von Tesla. Der Dreh-Drück-Steller ist vollkommen passé. Echte Tasten gibt es nur noch in der Bedienleiste unterhalb des Infotainment-Bildschirms. Selbst die Klimasteuerung wird per Touchscreen gelöst. Immerhin muss man kein Menü vorwählen, sondern hat dafür ein permanent eingeblendetes Menü. Muss man doch einmal in ein Untermenü, lässt es sich gut erreichen und ist logisch gestaltet – man findet sich tatsächlich schnell zurecht. Wie bei einem Touchscreen aber nicht anders zu erwarten, muss man schon recht zielsicher mit dem Finger sein.

Irritierend gestaltet sich die Bedienung über das Lenkrad, das keine „echten“ Tasten mehr vorweist. Stattdessen installierten die Stuttgarter berührungsempfindliche Flächen auf den Lenkradspeichen, über die man streichen und wischen muss. Fehlbedienungen sind vorprogrammiert, da man hier und dort unpräzise wischt und plötzlich durchs Menü des Bordcomputers scrollt, obwohl man nur die Lautstärke verstellen wollte.

Abhilfe schafft da die zweite Generation des MBUX. Die Sprachsteuerung versteht viel mehr als bisher und kann selbst auf Stimmung eingehen: „Hey Mercedes, ich bin müde“ und schon wird das Ambiente angepasst. Das Ganze kann für den Fahrer, Beifahrer und Passagiere in der zweiten Reihe separiert abgestimmt. Dafür wurden diverse Mikros im Innenraum verteilt, die die jeweilige Stimme orten und sichergehen, dass der „Hinterbänkler“ nicht die Sitzheizung des Fahrers aktiviert. Zusätzlich erkennt ein optionaler Interieur-Assistent Gesten und Bewegungen und interpretiert sie. So öffnet etwa das Heckrollo beim Schulterblick. Ein wenig gespenstisch ist das schon – „Big-S-Klasse is watching you!“

Wie nicht anders zu erwarten, bietet der Mercedes-Benz S 500 4Matic mehr als genug Platz. Richtig luxuriös wird es aber erst mit der Zweisitzer-Anlage für den Fond, die das Ambiente eines Privatjets schafft. Vollends zum First-Class-Fond wird die zweite Sitzreihe mit der Business-Mittelkonsole sowie mit den Lehnen, die um 43,5 Grad geneigt werden können. Zusätzlich fährt eine Beinauflage aus und lädt auf ein Nickerchen ein. Der Beifahrersitz kann, mit Chauffeur-Paket, von hinten gesteuert werden und schafft noch mehr Raum für lange Beine.

Rückbank mit Mittelkonsole

Eine echte Wohlfühloase, vor allem in der zweiten Reihe!

Das Infotainment bedient man dann natürlich auch von hinten über einen großen Touchscreen in der hinteren Mittelkonsole. Hier verbergen sich zusätzlich eine Getränkekühlung oder -heizung, die Elemente zur Steuerung der Sitzmassage und noch mehr Technik. Ein echtes Highlight ist die Burmester Surround Anlage mit 4D-Sound. Dank mehrerer „Exciter“, die die Sitze zum Brummen bringen, wird die Musik fühlbar und eröffnet damit eine vierte Dimension des Klangs. Die Intensität ist auf jedem Platz einzeln justierbar.

Blick in den kleinen Kofferraum

Der Kofferraum wirkt schon fast etwas klein!

Gepäck kann man natürlich auch mitnehmen – wenn auch nur auf dem Niveau einer Mittelklasselimousine. 550 Liter Kofferraumvolumen stehen bereit, es mit dem vornehmen Gepäck der Reisenden aufzunehmen.

Mercedes-Benz S 500 4Matic Motoren Check

S 500, das stand seit jeher für einen sämigen Achtzylinder. Diese Zeiten sind aber vorbei – puff, Blase zerplatzt. Stattdessen werkelt unter der massiven Motorhaube ein 3.0 Liter Reihensechszylinder, der mindestens die Sämigkeit seines Vorgängers an den Tag legt. Gekoppelt ist der Sechsender an ein 48V-Mildhybrid-System. Die angegebene Leistung wird mit 320 kW/435 PS beziffert, wobei 16 kW/22 PS auf den integrierten Starter-Generator (ISG) entfallen. An Leistung mangelt es damit genauso wenig, wie an Drehmoment: Der Reihensecher liefert 520 Nm, der ISG 250 Nm. Das verspricht genügend Dampf. So schaffen es die beiden Aggregate, das 2,1-Tonnen-Schiff in 4,9 Sekunden auf 100 km/h zu wuchten. Maximal sind – Gentleman-like – 250 km/h drin, bevor sanft der Riegel vorgeschoben wird.

Blick unter die Motorhaube: zwei Zylinder

Da fehlen doch zwei Zylinder, doch wirklich spüren tut man das nicht!

Gemäß NEFZ sollen 8,4 – 8,7 Liter auf 100 km verbraucht werden. In der Realität kommt man auf 10 – 10,5 Liter bei erhöhtem Stadtanteil. Wer es krachen lässt, schafft aber auch 14 Liter und mehr. Der WLTP-Wert liegt, wie immer, nah an der Realität und prognostiziert 8 bis 9,5 Liter/100 km.

Mercedes-Benz S 500 4Matic Fahreindruck Check

Fragt sich natürlich, wie sich das Ganze fährt. Wobei, wird eine S-Klasse nicht eher Gefahren und der Besitzer macht es sich hinten rechts bequem? Nicht unbedingt. Der Mercedes-Benz S 500 4Matic macht durchaus Spaß, sodass man gern selbst am Volant dreht. Eine echte Taste erweckt den Big-Benz zum Leben. Dennoch bleibt es unter dem Strich berauschend still. Es sei denn, man fordert Leistung. Dann meldet sich die Aggregate-Kombination zu Wort und gibt sich stimmgewaltig, aber immer passend und nie lästig oder störend.

Fahrt auf einer Landstraße mit Blick aus dem Innenraum

Fährt sich dank Allradlenkung richtig agil! Selbst in Parkhäusern!

Was überrascht, ist die Wendigkeit des 5,30-m-Autos. Der Wendkreis fällt dank der optionalen Hinterachslenkung überraschend klein aus. Das System ist in zwei Varianten erhältlich: Einmal mit 4,5 Grad Einschlag und einmal mit 10 Grad Einschlag. Gerade einmal 10,9 m Wendekreis kommen mit dem 10-Grad-Einschlag zusammen – Golf-Niveau! Ab 60 km/h lenken die Hinterräder in dieselbe Richtung und geben die Stabilität in Kurven, die man von einem Mercedes erwartet. Das trägt sehr zur staatstragenden Souveränität der S-Klasse bei.

Die Lenkung – und das mag manchen erstaunen – gibt genügend Feedback: Nicht zu viel, nicht zu wenig, schließlich möchte man als S-Klasse-Fahrer ja nicht von unschönen Straßenzuständen behelligt werden. Unter dem Strich wirkt die S-Klasse – als LANGVERSION! – so agil wie eine E-Klasse, wenn überhaupt. Besonders komfortabel tritt sie dank des serienmäßigen Luftfahrwerks auf, das durch die optionale E-ABC (Active Body Control) unterstützt werden kann. Jene wird vom 48-Volt-Bordstromnetz gespeist und bewirkt, dass das Fahrwerk immer in Waage bleibt – unabhängig von der Beladung oder der Querbeschleunigung. Und so erntet man ein feinfühliges Ansprechen auf Unebenheiten bei gleichzeitig hoher Fahrdynamik. Die Modi Sport und Sport+ wirken dabei wie sich anspannende Muskeln, die jedoch nie einen Schlag versetzen, sondern nur demonstrieren, dass man könnte, wenn man wollte.

Fahrerassistenzsystem auch hinten zu sehen

Auch in der zweite Reihe behält man alles im Blick!

Das gilt übrigens auch für die Fahrerassistenzsysteme. Grundsätzlich könnte der Mercedes-Benz S 500 4Matic auf Level 3 automatisiert fahren. Fährt auf etwa der Autobahn im dichten Verkehr bis 60 km/h, kann die S-Klasse völlig allein fahren. Der Fahrer gilt aber immer noch als letzte Kontrollinstanz und trägt die Verantwortung. Spürt die S-Klasse, dass der Fahrer den Fahrersitz verlassen hat oder nicht regiert, hat jener zehn Sekunden Zeit, auf den Drive Pilot zu reagieren, bevor eine Notbremsung ausgeführt wird. Der Fahrer wird obendrein von Kameras beobachtet, die seinen Zustand analysieren.

Beim Kurvenfahren unterstützt die 360-Grad-Kamera bei der Spurerkennung. So müssen die Fahrerhände nur noch ganz seicht auf dem Lenkrad liegen, der Rest wird wie von Geisterhand geregelt – selbst ohne Fahrbahnmarkierungen, da Grasnaben oder das Ende der Teerdecke erkannt werden. Obendrein wird die Geschwindigkeit an Tempolimits und den Streckenverlauf angepasst.

Head-Up-Display des Fahrassistenzsystem

Achtet der Chauffeur auch auf den Spritverbrauch?

Eine wahre Pracht ist das Head-Up-Display. Es ist das größte bekannte System seiner Art und projiziert sein Bild etwa 10 Meter vor das Auto. Navigationspfeile werden direkt auf die Straße vor dem Fahrer gespielt – ein echtes Highlight. Auch die anderen Assistenten werden in das Bild aufgenommen. So werden vorausfahrende Fahrzeuge etwa mit einer Barke markiert, um zu symbolisieren, dass der Abstandstempomat jene erkannt hat.

Nicht mal parken muss man noch selbst. Der Fahrer muss nicht mehr im Auto sitzen, wenn das Parkhaus entsprechend ausgerüstet ist. Ansonsten passen alle Parkmanöver, wie aus dem Ärmel geschüttelt, fast von allein. Und fernbedient, wohlgemerkt!

Mercedes-Benz S 500 4Matic Preis Check

Machen wir es kurz: Der Startpreis des Mercedes-Benz S 500 4Matic liegt bei 119.364 Euro. Dies Zahl dürfte wohl niemanden verwundern. Wohl aber, dass man den Wert eines wirklich schönen Mittelklasseautos in Extras und Optionen stecken kann. Schließlich kostete der Testwagen über 182.000 Euro. An den kommenden Wertverlust sollte man lieber gar nicht denken.

Mercedes S-Klasse von hinten

Gemäß der Top->Down Strategie erwarten für viele S-Klasse Features auch in anderen Modellen!

Mercedes-Benz S 500 4Matic Zielgruppencheck und Fazit

Die Stuttgarter schreiben sich mit jeder neuen Generation der S-Klasse wieder und wieder auf die Fahnen, das „beste Auto der Welt“ bauen zu wollen. Und, Operation geglückt? Aber wie! Der Mercedes-Benz S 500 4Matic sieht toll aus, ohne zu protzen, fährt wie eine Sänfte, wirkt aber nicht entkoppelt und bietet Luxus, Technik und Sicherheit, wie man sie bisher noch nicht gesehen hat. Entsprechendes Kleingeld vorausgesetzt.

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