Fahrberichte » Renault Zoe R135 Fahrbericht | Test | Review

Renault Zoe R135 Fahrbericht | Test | Review

Elektromobilität ist gut, cool und ein Ansatz in Richtung nachhaltiger Mobilität. Und der Renault Zoe ist einer der Vertreter der E-Mobile und ist obendrein das meistverkaufte Elektroauto Deutschlands. Grund genug für uns, sich dem Franzosen anzunehmen und zu fragen: Alles sonnig unter dem Elektro-Himmel? Wir schauen uns den Renault Zoe R135 genauer an und zeigen auch, was uns gut und was nicht ganz so gut gefällt. Drive-Check!

Renault Zoe R135 in weiß, Frontansicht

Renault Zoe R135 Fahrbericht

Renault Zoe R135 Design Check

Elektroautos sind, aufgrund ihrer bislang kurzen bis mittleren Reichweiten, eher für den urbanen Raum gedacht. Umso praktischer, dass der Renault Zoe R135 ein weniger Kleinwagen ist. Mit seiner profilierten Motorhaube und dem dreidimensionalen Rhombe – dem Markenzeichen Renaults – wirkt er dennoch selbstbewusst und irgendwie cool. Hinter dem Markenlogo verbirgt sich übrigens der Ladeanschluss des Stromers. Ansonsten stechen die scharf gezeichneten LED-Scheinwerfer mit markigem LED-Tagfahrlicht ins Auge – ein überzeugender Auftritt an der Front.

Renault Zoe R135 BLick auf den Kühlergrill

Renault Zoe R135 Review

Seitlich bemerkt man, dass der Renault Zoe R135 gar nicht so klein ist, wie man es von einem Kleinwagen vermuten würde. Er streckt sich auf 4,08 m und misst damit drei Zentimeter mehr, als ein Renault Clio. Zum Vergleich: Ein Volkswagen Golf 3 misst 4,02 m, ein Golf 4 4,14 m. Aber bleiben wir beim stromernden Franzosen: Der Zoe misst 1,78 m in der Breite, addiert man die Außenspiegel hinzu, kommt man auf 1,95 m. In der Höhe sind es schließlich 1,56 m. Damit wirkt der Stromer recht schlank. Gleiches gilt für die 16-Zoll-Leichtmetallfelgen – da wäre noch etwas Platz im Radkasten. Aber wir sprechen ja von einem Fahrzeug, das nicht mit Pimp-my-Ride-Charakter auf Kundenfang gehen möchte, sondern mit seiner Effizienz. Entsprechend gehen die 16-Zöller schon in Ordnung.

Weniger in Ordnung – aus praktischen Gründen – finden wir die versteckten Türgriffe hinten. Ihre Handhabung ist fummelig und nicht der Weisheit letzter Schluss. Gut aussehen tun sie aber! Genauso, wie das Heck mit seinen kleinen Rückleuchten. Ansonsten gibt sich der Stomer unauffällig, kommt mit dem typischen Dachkantenspoiler daher und setzt einzig mit seiner Kennzeichenmulde ein Statement. Jene zieht ihre Sicken bis in den unteren Stoßfänger. Unter dem Strich ist der Renault Zoe R135 also ein typischer Kleinwagen und kein UFO, was man ja sonst fast von einem Elektroauto erwartet.

Renault Zoe R135 Innenraum Check

Renault Zoe R135 Blick in den Innenraum

Renault Zoe R135 R+V24 Drive Check

Auch innen fühlt man sich direkt wohl. Das liegt vor allem am Stoffgewebe, das großzügig eingesetzt wird. Passend zum nachhaltigen Fahrzeugkonzept, besteht es aus recyceltem Kunststoff und wurde um die Konsole am Wahlhebel, am Armaturenbrett und für die Integralsitze verwendet. Letztere bieten zusätzlich Sitzwangen in Lederoptik. Das Gestühl selbst ist breit und bequem, gibt aber wenig Seitenhalt. Nun, der Zoe möchte eben kein Rennwagen sein – das passt so. Unverständlich ist hingegen die Entscheidung, auf eine Sitzhöhenverstellung zu verzichten. So kann man im Renault Zoe schon mal wie der sprichwörtliche Affe auf dem Schleifstein kauern. Die kurze Oberschenkelauflage ist obendrein unbequem, wenn man längere Strecken hinter sich bringen muss. Und das Fehlen der Mittelarmlehne trägt auch nicht gerade zum Fahrkomfort bei. Immerhin: Das Lenkrad ist in Höhe und Tiefe verstellbar.

Wer schon mal Renault gefahren ist, der wird die Tasten für das Infotainment nicht auf dem Lenkrad suchen, sondern sie direkt am Bedienungssatelliten, rechts hinter dem Lenkrad finden. Man gewöhnt sich schnell daran. So schnell sogar, dass ich, als ehemaliger Renault-Fahrer, auch heute noch in manchen Fahrzeugen intuitiv hinter das Lenkrad greife, um die Lautstärke zu verstellen und dort nur Leere vorfinde – im Alter wird das Hirn einfach nicht besser… Was gefällt, sind das gute Platzangebot und das Gefühl von Wertigkeit in der ersten Sitzreihe.

Obendrein wirkt das Cockpit angenehm aufgeräumt und erinnert mit seinem 9,3-Zoll-Infotainment-Bildschirm etwas an Tesla. Warum? Weil der Touchscreen hochkant eingebaut ist. Es bietet obendrein Android Auto und Apple CarPlay und lässt sich nach etwas Eingewöhnung recht intuitiv bedienen. Einen Drehregler für die Lautstärke hätte man dem Nutzer aber trotzdem lassen können. Anders als beim amerikanischen Pionier Tesla, kommt der Renault Zoe aber mit einem zweiten Display, einem Zehn-Zoll-Kombiinstrument. Besonders von Interesse dürfte die rechte Anzeige sein: Hier wird die Rekuperation klar angezeigt. Das Gewinnen von zusätzlicher Reichweite gerät damit zum ambitionierten Sport.

9,3" Display!

9,3″ Display!

Beim Ablagen-Check muss sich der Renault Zoe nicht verstecken. Oberhalb des nicht überdimensionierten Handschuhfachs gibt es ein offenes Fach, das z.B. ein kleines Notizbuch aufnimmt. Außerdem gibt es ein Handy-Fach im Mitteltunnel und zwei Cupholder zwischen den Sitzen. Hinzu kommen Türtaschen, die jedoch größer dimensioniert sein dürften.

Nehmen wir in der zweiten Reihe Platz. Hier findet man eine Rückbank mit wenig Kontur vor, dafür aber eine gute Kniefreiheit – erst recht, wenn man bedenkt, dass man in einem Kleinwagen sitzt. Für die Köpfe der Rückbänkler wird es aber etwas eng. Größere Passagiere auf der Rückbank haben dafür etwas von der interessanten Prägung des Dachhimmels. Die Einschränkung der Kopffreiheit wird darauf zurückzuführen sein, dass die Batterie im Unterboden sitzt und die Rückbank damit höher liegt.

Blick in den Kofferraum

Der Kofferraum überzeugt!

Trotz alledem darf man über den Kofferraum staunen. Jener fasst immerhin 338 Liter und liegt damit nahezu auf Kompaktklasse-Niveau. Der Renault Clio kommt auf rund 80 Liter weniger! Klappt man die Rückbank im Renault Zoe R135 um, kann man auf maximal 1.225 Liter Maximalvolumen zurückgreifen. Unter dem Ladeboden steht zudem ein Fach für das Ladekabel und Kleinkram bereit.

Renault Zoe R135 Motoren Check

Blick unter die Motorhaube

Eine Antriebsschwäche hat der Renault Zoe nicht!

Kommen wir zum Antrieb, dem Elektromotor. Er bietet 100 kW/136 PS und 245 Nm Drehmoment. Damit kann der Stromer – bei Bedarf – in 9,5 Sekunden auf 100 km/h sprinten und ist maximal 140 km/h schnell. Den Verbrauch geben die Franzosen mit 17,7 kWh je 100 km an. Geschöpft wird die Kraft aus einer 52 kWh fassende Batterie. Rein rechnerisch müssten das etwas weniger als 300 km Reichweite ergeben, in der Realität – vor allem bei häufigem Stadteinsatz – kommt man aber auf rund 335 km. Angegeben ist der Renault Zoe R135 übrigens mit 383 km gemäß WLTP. Wie man es von herkömmlichen Kleinwagen gewohnt ist, leitet der Zoe seine Kraft an die Vorderräder. Die Kraftübertagung verantwortet eine 1-Gang-Automatik.

Renault Zoe R135 Fahreindruck Check

Seitenansicht

Fährt sich richtig gut!

Und wie fährt sich das Ganze? Grundsätzlich fährt sich der Renault Zoe R135, wie ein ganz normales Auto. Gewöhnen muss man sich nur an die zweistufige Rekuperation. So „bremst“ der Stromer, sobald man vom Gas geht. Das One-Pedal-Fahren, also das starke Rekuperieren bis zum Stillstand, klappt beim Renault Zoe jedoch nicht. Ein letztes Rollen erfordert den finalen Einsatz der Fußbremse. Aktiviert man den Eco-Modus, spart man noch mehr Strom. Der Vortrieb fühlt sich dann aber arg zäh an.

Und das Laden? Gibt man knapp 1.100 Euro extra für den CCS-Anschluss aus, kann man am Gleichstrom-Lader auftanken und soll in 70 Minuten Strom für 80 Prozent Akkuladung bekommen. Gar nicht so schlecht. Vor allem, wenn man den Akku nicht vollkommen leer fährt. Was noch auffällt, ist ein künstlich erzeugter Sound beim Fahren mit niedrigen Geschwindigkeiten. Dieser soll Fußgänger schützen und klingt dann doch etwas nach UFO. Beim schnelleren Fahren verstummt der Soundgenerator und es bleiben nur Windgeräusche.

Renault Zoe R135 Preis Check

Jetzt wird es wirklich kompliziert. Aber fangen wir mit dem einfachen Teil an. Als „Intens“ ist der Renault Zoe R135 schon ziemlich voll ausgestattet. Zum Paket gehörten LED-Scheinwerfer, ein Fernlichtassistent, ein Tempomat sowie eine Einparkhilfe rundum und eine Rückfahrkamera. Dazu kommen eine Verkehrszeichenerkennung, ein Schlüssellos-System sowie ein Spur- und Spurwechselassistent, ein Notbremsassistent und ein Infotainment mit Freisprecheinrichtung. Auf eine Klimaautomatik muss man ebenfalls nicht verzichten.

Heckansicht

Die Ausstattung ist bereits serienmäßig gut!

Und jetzt der komplizierte Teil. Man kann den Renault Zoe entweder ganz kaufen oder nur den Großteil, dafür aber die Batterie mieten. Beim Komplettkauf kommt der Renault ZOE R135 auf 35.000 Euro mit nahezu Vollausstattung, was viel Geld für einen Kleinwagen ist. Modelle mit dem kleineren Motor mit 108 PS, aber mit großer Batterie, kommen auf etwas mehr als 32.000 Euro. Mit der kleineren Batterie bleibt man unter 30.000 Euro.

Mietet man die Batterie – die Miete richtet sich nach der erwarteten monatlichen Fahrleistung – sinken die Preise – und zwar nicht zu knapp. So käme der gefahrene Zoe R135 als Intens nur noch auf 27.200 Euro, als weniger voll ausstaffierte Variante „Experience“ auf 25.250 Euro. Kalkuliert man die Umweltprämie mit 10.000 Euro, aufgeschlüsselt in 6.000 Euro Umweltprämie, 100 Euro Förderung und 3.900 Euro Renault-Anteil, wird schon wieder ein ganz anderer Schuh daraus. Damit liegt die billigste Möglichkeit einen Zoe zu fahren bei knapp 11.400 Euro – wenn man die Batterie mietet, versteht sich!

Renault Zoe R135 Zielgruppencheck und Fazit

Seitenansicht

Eigentlich macht man mit dem Renault Zoe nichts falsch – vor allem, wenn man die Achtjahres-Garantie für die Lithium-Ionen-Batterie berücksichtigt. Der Stromer bietet eine vernünftige Reichweite, ist KFZ-Steuer-befreit und kommt dank Umweltprämie zu verträglichen Preisen. Hinzu kommt ein ansehnliches Design. Einzige mit der ein oder anderen Eigenheit, wie der fehlenden Höhenverstellung der Vordersitze, dem komplizierten Preissystem oder Akku-Miete muss man zurechtkommen. Und wenn der Zoe doch zu groß sein sollte, muss man etwas Geduld aufbringen und auf den angekündigten Renault Twingo Z.E. warten. Fragt sich nur, ob der Twingo den Zoe in seinem eigenen Revier nicht kanibalisiert… Damit könnte eine Wolke am französischen Elektrohimmel die Zoe-Sonne verdecken.

Tags: