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Kia e-Soul Fahrbericht | Test | Review

Bis zu 452 km rein elektrisch fahren? Das geht doch nur mit einem Tesla, oder? Falsch! Das geht auch mit anderen Stromern, wie zum Beispiel dem Kia e-Soul. Die verbauten Komponenten entsprechen denselben des Kia e-Niro, im e-Soul sind sie allerdings etwas auffälliger verpackt. Kia stellt sich damit ziemlich clever an, schließlich ist die Nachfrage nach Elektroautos aktuell so hoch, wie noch nie. So groß sogar, dass es lange Wartezeiten gibt. Grund dafür ist vor allem, dass die Batteriehersteller die Nachfrage falsch eingeschätzt haben und nun den Mengenanforderungen nicht gerecht werden können. Wir haben aber die Chance genutzt und uns den Kia e-Soul für den ausführlichen R+V24 Drive Check geschnappt.

blauer Kia e-Soul

Kia e-Soul Fahrbericht

Kia e-Soul Design Check

Wenn man den aktuellen Kia Soul betrachtet, könnte man meinen, es handle sich um ein ausführliches Facelift. Aber falsch gedacht, hier steht der aktuelle Kia e-Soul. Dennoch muss man eingestehen, dass der Koreaner große Ähnlichkeit mit der ersten Generation hat. Das kompakte Auftreten, das ein bisschen panzerartig wirkt, die knappen Überhänge, die kleinen Fensterflächen? Das kennen wir alles.

blauer Kia e-Soul Test mit Fokus auf vorderen rechten Kotflügel

Kia e-Soul Test

Neu ist bei der gefahrenen, zweiten Generation, dass sie aus ihren schmalen Scheinwerfern richtig mies gelaunt wirkt. Fast so, als hätte man ihr den Strom für den verbauten Akku gekappt, bevor sie überhaupt ansatzweise aufladen konnte. Aber, Moment, damit steigen wir schon ins Antriebskapitel ein und das hat hier noch nichts zu suchen. Wohl aber die kleine Klappe an der Front, die den Ladestecker-Anschluss verdeckt.

blauer Kia e-Soul Review Heckansicht

Kia e-Soul Review

Gefallen hat uns die Geradlinigkeit des kleinen, koreanischen Straßenpanzers. Rundgelutscht ist hier nichts, sondern mit Hang zur klaren Kante designt. Als Element, das die Härte etwas aufbricht, ist die farbliche Trennung von Dach und Karosserie sehr willkommen. Interessant ist dabei, wie die D-Säule nach hinten ansteigt und dem Kia e-Soul Dynamik verleiht.

Am Heck sind wir zunächst etwas aufgrund der Ähnlichkeit zu einem anderen Fahrzeug verdutzt. Nanu? Wer versteckt sich denn hier? Wir sehen anhand der Rückleuchten klar einen Honda CR-V. Und den, längst nicht mehr gebauten, Honda Stream erkennen wir auch. Schlimm? Keineswegs! Schließlich gefällt uns die restliche Gestaltung des kleinen Straßenpanzers ausgesprochen gut.

Warum wir von klein sprechen? Weil der Kia e-Soul mit seinen 4,20 m Länge voll ins Kompaktsegment sticht und damit nichts – nicht mal annähernd – mit einem echten Panzer zu tun hat. Auch die sonstigen Abmessungen sprechen dafür. Mit 1,80 m Breite und 1,60 m Höhe wirkt der Koreaner stämmig, aber nicht übergewichtig. Wer eine Design-Alternative zum BMW i3 und Konsorten sucht, ist hier vielleicht richtig.

Kia e-Soul Innenraum Check

Der Eindruck der Kantigkeit, der bei der Betrachtung des Exterieurs entsteht, bestätigt sich im Innenraum nicht. Das Interieur des Kia e-Soul zeigt sich zwar aufgeräumt, verschreibt sich aber eher rundlichen Formen. Der grundsätzlich intuitiven Bedienung tut dies keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Das Kombiinstrument ist zwar digital, wirkt mit seinen abgerundeten Seiten aber so, als wenn zwei analoge Rundinstrumente installiert wären – das gefällt.

Kia e-Soul Innenraum

Kia e-Soul Innenraum

Gut gefallen hat uns auch das 10,25-Zoll-Infotainment, das sowohl mit seiner Größe und Auflösung, wie auch mit seiner Bedienung überzeugt. Zusätzlich gibt es im Kia e-Soul ein UVO! Moment mal! Schreibt sich das nicht mit „F“? Nein, dieses UVO steht für die Online-Anbindung für Echtzeit-Verkehrsdaten, Echtzeitinformationen zu Ladestationen und die Programmierung von Ladevorgängen bereit und hat mit den unbekannten Flugobjekten nichts zu tun. Zusätzlich lässt sich der Ladezustand des Akkus per App erledigen. Außerdem können Ziele per Handy direkt ans Navi geschickt werden.

Kia e-Soul Innenraum vorne

Kia e-Soul R+V24 Drive Check

Überrascht hat uns darüber hinaus das Platzangebot. Bedenkt man, dass der Kia e-Soul gerade einmal 4,20 m lang ist, sitzt man im Fond sehr gemütlich. Selbst mit über 1,90 m wird es hinten nicht zu eng. Vorne nimmt man auf gemütlichen, wenn auch wenig sportlich ausgeformten Sitzen Platz. Die Sitzposition ist hoch und ermöglicht einen guten Überblick über die Verkehrslage, die einzig von der breiten D-Säule eingeschränkt wird.

Intuitive Bedienung!

Intuitive Bedienung!

Unteres Kompaktklasse-Niveau bietet der Kofferraum, der sich aufgrund der Bauform des Kia e-Soul aber gut beladen lässt. 315 bis 1.339 Liter Gepäckraumvolumen stehen bereit und nehmen es mit dem allermeisten Alltagskram problemlos auf. Sogar eine Anhängevorrichtung ist möglich und wird mit einer Stützlast von 100 kg angegeben. So können Fahrräder oder e-Bikes transportiert, Anhänger dürfen aber leider nicht gezogen werden.

Blick auf die Rückbank

Ausreichend Platz auch in der zweiten Reihe!

Kia e-Soul Antriebs Check

Kommen wir endlich zum Herzstück, dem Elektromotor an der Vorderachse. Mit 150 kW/204 PS und 395 Nm maximalem Drehmoment ist von einem Panzer nichts zu spüren – ganz und gar nicht. Immerhin kann der Kia e-Soul in 7,9 Sekunden auf 100 km/h spurten, was wirklich dynamisch ist. Die Höchstgeschwindigkeit von 167 km/h ist kein Ruhmesblatt, aber auch kein Drama.

Angeben ist der Koreaner mit einem Verbrauch von 15,7 kWh auf 100 km, kommt in der Realität aber eher auf 18,8 kWh/100 km. Das macht unter dem Strich eine Reichweite von 390 km. Klar, das ist weniger, als Kia mit 452 km verspricht, aber immer noch aller Ehren wert. Gespeichert wird der Strom in einer Lithium-Ionen-Polymer-Batterie mit 64 kWh Kapazität, die über einen serienmäßigen Typ-2-Stecker geladen wird. Die maximale Ladeleistung liegt bei 100 kW, sodass man in einer Stunde genügend Strom für 80 Prozent Akku sammelt. Optional gibt es einen dreiphasigem Onboard-Charger mit 10,5 kW für Wechselstrom.

Kia e-Soul Fahreindruck Check

Und wie fährt sich das Ganze? Zügig, leise und „ganz normal“. Dank genügend Leistung, kann man auf der Landstraße ohne Bedenken Traktoren und dergleichen überholen, spurtet binnen 3,6 Sekunden von 60-100 km/h. Und das macht richtig Spaß, vor allem, weil der Kia e-Soul seine Leistung – typisch für einen Stromer – sofort abliefert.

Dennoch sollte man sich vom dynamischen Antrieb nicht zu sehr verleiten lassen. Warum? Wie man es vom Verbrenner kennt: Wer „Gas“ gibt, quittiert dies an der Ladesäule und die Reichweite schrumpft. Jene zeigt sich bei normaler Fahrweise dennoch recht großzügig. In der Stadt, bei häufigem Bremsen, wird sie sogar noch größer – aber das ist ja auch das bevorzugte Fahrgebiet des Kia e-Soul. Im Winter, bei kalten Temperaturen, wird die Reichweite aber durchaus geringer. Kalte Temperaturen mögen weder Passagiere noch die Batterie. Dank serienmäßigem Vorheizersystem geht die Heizung des Innenraums aber wenigstens nicht mehr zu sehr auf den Akku.

Heckansicht

Ungewöhnlich, aber richtig gut!

Fahren lässt sich der Crossover Stromer-typisch. Über die „Schaltwippen“ hinter dem Lenkrad lässt sich die Rekuperation einstellen und das so genannte „Ein-Pedal-Fahren“ wird möglich. Dazu muss man die linke „Schaltwippe“ einfach länger ziehen und die maximale Rekuperation wird aktiviert. Man kann das Bremspedal in 90 Prozent der Fälle unbenutzt lassen und ausschließlich mit dem „Gas“-Pedal fahren. Der adaptive Tempomat hilft hier außerdem und lässt früh rollen.

Kia e-Soul Preis Check

Der Kia e-Soul kommt ausschließlich in der Sprit-Ausstattung. Das heißt für Kia Neulinge erstmal nicht viel. Also übersetzten wir: Spirit steht für Vollausstattung. Und so ist eigentlich alles dabei, das einem lieb und teuer sein dürfte. Es sind zahlreiche Assistenten on Bord, wie ein Kollisionswarner, ein Notbremsassistent mit Personenerkennung, ein Spurhalteassistent mit Warnfunktion oder Lenkeingriff sowie ein Spurwechselassistent mit Ausparkassistent. Selbst der ACC, der adaptive Tempomat mit Stauassistent oder ein Head-Up Display gibt es frei Haus! Seltsam nur, dass es im Kia e-Soul eine Verkehrszeichenerkennung weder für Geld noch für gute Worte gibt.

Dafür gibt es aber 7 Jahre Garantie – wie bei jedem anderen Kia auch. Unter dem Strich stehen dann 42.102 Euro, die Bundesförderung noch nicht einkalkuliert. Und damit wird der Kia e-Soul zum echten Kassenschlager.

Kia e-Soul Zielgruppencheck und Fazit

Man muss sich an ihn gewöhnen. Nicht etwa, weil der Kia e-Soul in der Summe seiner Eigenschaften ein schlechtes Auto wäre. Das Gegenteil ist der Fall! Wovon wir sprechen ist das Design. Gerade in der aktuellen, zweiten Generation wirkt der Kia Soul arg grimmig. Wir mögen das. Auch das stämmige Panzer-Design gefällt uns. Und so gibt es, betrachtet man die ordentliche Reichweite, das gute Raumangebot und Infotainment sowie den fairen Preis, unter dem Strich nichts zu meckern. Vor allem nicht, wenn man die Siebenjahresgarantie im Hinterkopf behält.

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