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Kia Sorento Fahrbericht | Test | Review

Sorento. Kia Sorento. Mit einem „r“. Das Midsize-SUV hat nämlich nichts mit der hübschen italienischen Hafenstadt Sorrent zu tun, sondern mit üppigen Abmessungen, moderner Technik und interessanten Preisen. Wir sehen uns den nagelneuen Koreaner einmal genauer an, der sich in der vierten Generation wirklich sehen lassen kann und unterziehen ihn als Mildhybrid dem detaillierten R+V24 Drive Check.

weißer Kia Sorento

Kia Sorento Fahrbericht

Kia Sorento Design Check

Der Kia Sorento bekennt Kante. Zwar war sein Vorgänger, die dritte Generation, noch kein Alteisen, wirkte aber auch nicht mehr so richtig frisch. Und anstatt das Design nur behutsam weiterzuentwickeln, schuf man bei Kia einen ganz neuen Look, der von eckigen Formen beherrscht wird. Dennoch findet sich an der Front die Tigernase wieder – der Markengrill Kias. Die serienmäßigen LED-Scheinwerfer (bei allen Versionen) grenzen direkt an den Kühlergrill und lassen die Front schön wuchtig wirken. Prägnantes Merkmal bei Tag: Drei Leuchtelemente für das Tagfahrlicht. Generell zeigt der Sorento ein Phänomen, das man heute nicht mehr oft zu sehen bekommt: Einen großen Lufteinlass in der Frontschürze und einen ebenso großzügig bemessenen Kühlergrill.

Trotz der Kanten und Ecken schaffte es das Design-Team, die Seitenansicht nicht einfach gerade und langweilig wirken zu lassen. Besonders die ausgeprägten Formen im Bereich der Türen wirken dynamisch. Gepaart mit den großen Radhäusern, in denen sich serienmäßig 17-Zoll-Felgen drehen, die aber auch 20-Zoll-Alus vertragen (ab Werk), ergibt sich ein stattlicher Auftritt. Kleinigkeiten, wie die angedeutete Haifisch-Flosse in der C-Säule oder ein Designelement zwischen vorderem Kotflügel und Vordertür, sind zwar nicht weltbewegend, geben aber den letzten Pfiff.

Am Heck wird man – wie sollte es anders sein – von einem Dachkantenspoiler begrüßt. Und auch hier: Kia formte den Rücken des Sorento aus, dass er beinahe etwas bentleyesque wirkt. Die prägnanten Sicken und Kanten modellieren die Heckpartie richtig, während die LED-Rückleuchten durch einen mittigen Steg geteilt werden und durchaus eigenständig erscheinen.

Schlussendlich darf man aber festlegen, dass der Kia Sorento zwar kein kleines Fahrzeug ist, andererseits aber auch kein „Schlachtschiff“ ist. Zwar legte das SUV in allen Dimensionen zu, wuchs um einen Zentimeter auf insgesamt 4,81 m in der Läge, bleibt damit aber unter Mittelklasse-Kombis vom Schlage eines Skoda Superb (4,86 m) oder Opel Insignia (4,98 m) zurück. Den Radstand streckte Kia um 35 mm auf 2,82 m, ließ die Breite ohne Außenspiegel auf gesunde 1,90 m und die Höhe nun auf 1,70 m wachsen.

weißer Kia Sorento Heckansicht

Kia Sorento Test

Damit wirkt der Sorento recht wuchtig, fast schon amerikanisch. Und das ist keine Beleidigung, sondern rührt von den SUV her, die vorwiegend für den amerikanischen Markt gedacht sind und – wie eingangs geschrieben – klare Kante bekennen. Uns gefällt das. Vor allem beim Talent zu Nachhaltigkeit und Sparsamkeit. Dazu im Motoren Check aber mehr.

Kia Sorento Innenraum Check

Natürlich: Der Kia Sorento ist nicht klein. Und genau davon profitiert der Innenraum. Die Platzverhältnisse im Kia Sorento sind in Reihe eins und zwei über alle Zweifel erhaben. Selbst Großgewachsene reisen hinten wie in einer staatstragenden Limousine. Sitzreihe drei ist optional und klappt auf Wunsch zu einem ebenen Ladeboden um. Dadurch, dass die zweite Sitzreihe verschiebbar ist, kann man genügend Knie- und Beinraum für beide Sitzreihen herstellen.

Kia Sorento Blick in den Innenraum

Kia Sorento Review

Hinzu kommt, dass in allen Sitzreihen die Kopffreiheit gut ausfällt, aber in der letzten Reihe natürlich etwas eingeschränkter. Dennoch muss man hier nicht darben: Selbst Cupholder und USB-Ladeanschlüsse gibt es hinten.

Überragend groß fällt darüber hinaus das Ladevolumen aus: Beim Fünfsitzer liegt es bei 902 Litern – schier unglaublich. Wählt man den Siebensitzer, werden knapp 700 daraus. Klappt man alle Sitze um, hat ein Pärchen Platz für 2.085 Liter Ladevolumen. Sind hingegen alle Sitze aufgestellt, sind nur noch 179 Liter übrig – das teilt sich der Kia Sorento mit allen Fahrzeugen, die optionale Sitze im Kofferraum bieten.

Schauen wir uns das komplett neue Cockpit an. Hier ist alles digital. So blickt man stets auf ein 12,3-Zoll-Instrumenten-Display und bekommt ab der Ausstattung „Vision“ ein 10,25-Zoll-Infotainment. Digital klingt aber fast schon etwas negativ. Muss es aber nicht, wenn man es so löst, wie Kia: Hier gibt es noch Drehregler für die Lautstärke und den Zoom des Navis. Und auch sonst gibt es noch Vorwahltasten und eine gute Menüstruktur – da kann sich so mancher deutsche Hersteller eine Scheibe abschneiden.

Selbst die Klimaautomatik, eine Etage darunter, ist noch mit physischen Tasten ausgerüstet und lässt sich damit fast blind bedienen. Positiv ebenfalls, dass alle Elemente im Sichtbereich liegen, man seinen Blick also nicht zu sehr von der Straße abwenden muss. In der Top-Ausstattung Platinum ist obendrein ein Head-Up Display serienmäßig.

Immer dabei ist das Lenkrad mit einigen Tasten, das sich zudem gut einstellen lässt. Auf der linken Lenkradspeiche bedient man das Multimediasystem, die Darstellung der Instrumente und das Telefon. Rechts stellt man den Tempomaten und die Assistenten ein. Außerdem gibt es Schaltwippen hinter dem Lenkrad, die man aber eigentlich nur sehr selten benötigt. Unter dem Strich bleibt also zu sagen, dass die Bedienung durchweg intuitiv und einfach gelingt. Zweifler, die glauben, dass Kia immer noch zu den „Billigheimern“ gehört, sei mitgegeben, dass auch die Qualität stimmt: Die Materialien sind durchweg gut, fassen sich angenehm an und sind routiniert verbaut.

Kia Sorento Antriebs Check

Das Herzstück des Kia Sorrento sind eigentlich gleich zwei Herzen. Hier werkeln ein Benziner und ein Elektromotor zusammen – leider noch nicht als PHEV, also als extern ladefähiger Plug-In Hybrid. Der ist mittlerweile aber bestellbar. Der von uns gefahrene Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid soll – je nachdem, ob mit oder ohne Allradantrieb – mit 5,6 bis 6,2 oder 5,2 bis 5,4 Litern Super auf 100 km auskommen. Nicht übel für einen Zwei-Tonnen-Trumm! Die Kraftverteilung übernimmt dabei immer eine Sechs-Stufen-Automatik.

Der Blick unter die Haube

Der Blick unter die Haube

Kombiniert wird ein 1.6 Liter Turbo-Benziner mit 132 kW/180 PS und 265 Nm ab 1.500 U/min mit einer Permanentmagnet Synchronmaschine – also einem E-Motor. Dieser ist geknüpft an eine Batterie mit 1,49 kW Ladekapazität und leistet 44 kW/60 PS sowie 264 Nm Drehmoment – und zwar vom Start weg. Die Systemleistung geben die Koreaner mit 169 kW/230 PS und 350 Nm an. Damit schafft es das nicht gerade windschlüpfrige SUV auf 193 km/h Höchstgeschwindigkeit und soll in 8,6 bzw. 9 Sekunden auf 100 km/h spurten.

Kia Sorento Fahreindruck Check

Und wie fährt sich das Ganze? Unmerklich, leise und verschliffen. Der 1.6er fährt ruhig und ganz gewöhnlich, ohne Überraschungen. Auch das Getriebe schaltet einwandfrei, könnte aber eine oder zwei Fahrstufen mehr vertragen. Und ob man es glaubt oder nicht: Im Kia Sorento sind Kurvenfahrten– trotz rund zwei Tonnen Gewicht – kein Problem. Die Lenkung überrascht mit guter Rückmeldung.

Kia Sportage R+V24 Drive Check

Kia Sportage R+V24 Drive Check

Das Wichtigste aber ist, dass der Kia Sorento mit angenehmem Fahrkomfort überzeugt. Die Federung spricht sensibel an, wirkt aber nicht zu soft. Härte ist ihr aber trotzdem fremd – selbst mit 20-Zoll-Felgen. Ein richtiges Ass haben die Koreaner bei den Assistenten im Ärmel. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Eigentlich ist alles bekannt, weshalb wir uns auf ein besonderes Highlight beschränken: Den Toten-Winkel-Assistenten. Jener kann Lenk- und Bremseingriffe vollführen, wenn es nötig ist, und zeigt im digitalen Instrumentenpanel per Kamerabild an, was im Toten Winkel passiert – genial! Das Ganze kostet für die Ausstattung Spirit 770 Euro, ist in der Top-Ausstattung „Platinum“ Serie. Diese Feature sollte man sich nicht entgehen lassen!

Kia Sorento Preis Check

Wir hatten es eben beim Innenraum Check: Kias – egal welches Modell – sind keine Billigheimer mehr. Entsprechend liegt der Einstiegspreis aktuell bei knapp 41.500 Euro für den 2.2 Liter Diesel. Billig ist anders. Aber können das die anderen Hersteller im Midsize-Segment günstiger? Eben, können sie nicht.

weißer Kia Sportage Frontansicht

Kia Sportage – anders aber artig!

Interessiert man sich für den Kia Sorento als Hybrid, kommt man mindestens auf 42.400 Euro. Mit Allrad und in der besseren Ausstattung „Vision“ (Pflicht bei Allrad) liegt man bei 47.072 Euro. Vision ist durchaus empfehlenswert, verzichtet auf Unnötiges und bietet bereits viel Nützliches. Zusätzlich sollte man Metalliclack für gut 670 Euro einplanen. Dann fährt man mit Stoffsitzen und 19-Zoll-Felgen absolut angemessen vor. Die Lederausstattung für knapp 1.000 Euro kann man sich eigentlich sparen. Wer sie benötigt, sollte die dritte Sitzreihe für 965 Euro einkalkulieren und jeder – wirklich jeder – sollte den Totwinkelwarner für rund 280 Euro (für Vision) ankreuzen. Bei einem größeren SUV macht die Vorbereitung für die abnehmbare Anhängerkupplung für 672 Euro ebenfalls Sinn. Hinzu kommt etwas Kleinkram, wie eine zusätzliche Konservierung des Motorraums und LED-Leuchtmittel im Kofferraum, sodass man knapp an der 49.000 Euro-Marke kratzt.

Bei Vision immer mit an Bord sind eine elektrische Sitzverstellung für den Fahrer, ein Tempomat mit Abstandsassistent, der Navi-basiert arbeitet, natürlich das Navi selbst, Online-Dienste für Verkehrsinfos und Wetterdienste, der Smart-Key und Voll-LED-Scheinwerfer. In der Top-Ausstattung Platinum kommt man auf knapp 54.900 Euro. Diese bietet viel Technik, die zwar Spaß macht, man aber eigentlich nicht braucht. Die Rundumsicht-Kamera macht vielleicht Sinn bei einem solchen Trumm von Auto. Das Head-Up-Display ist auch nett zu haben, aber verzichtbar, 20-Zoll-Felgen ebenfalls. Sinnvoll erscheint der Kollisionsvermeidungsassistent.

Kia Sorento Zielgruppencheck und Fazit

Man hat es wahrscheinlich beim Lesen der einzelnen Kapitel gemerkt: Wir sind förmlich ins Schwärmen geraten beim Kia Sorento der vierten Generation. Die Jury des „Goldenen Lenkrads 2020“ übrigens auch, sodass der Sorento eben jenes gewann. Es ist wirklich schwierig, dem Midsize-SUV Schwächen anzukreiden. Der Verbrauch passt, die Platzverhältnisse sind mehr als großzügig, die Verarbeitung stimmt, die siebenjährige Garantie ebenfalls – was soll man da kritisieren? Einzig die sehr günstigen Preise, an die man sich in der Vergangenheit gewöhnt hat, sind passé. Für das Gebotene angemessen sind sie aber allemal. So möchte man am liebsten ohne Unterbrechung von Bielefeld nach Sorrent fahren.

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